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»Wo sollen wir hin?« Ein Filmprojekt mit Jugendlichen als Einstieg in die Aktivierung in Freiburg-Rieselfeld 1 (2)

Ausgangslage/Rahmenbedingungen

Werbeplakat

Im Freiburger Westen entsteht seit 1996 ein neuer Stadtteil, der einmal 10.000 bis 12.000 Einwohner/innen beherbergen soll – das Rieselfeld. Städtebaulich ist das Rieselfeld ein verdichteter Stadtteil mit einer Mischung aus freifinanzierten Eigentumsmaßnahmen (ca. 50%) und gefördertem Mietwohnungsbau (ca. 50%).

Zur Startzeit des Filmprojekts leben in dem Stadtteil 4259 Einwohner/innen. Davon sind 34% unter 18 Jahren. Liegt der Anteil der unter 7 Jährigen noch bei hohen 52,7 % (entspricht 775 Kindern), ist die Gruppe der 11 – 18 Jährigen dagegen mit 23,2 % (entspricht 342 Kids und Jugendlichen) eher unterrepräsentiert. Da zudem viele der in das Rieselfeld gezogenen Jugendlichen noch an ihren ursprünglichen Wohnorten und Schulen verankert sind, erobern sie sich erst langsam einen Raum im Alltag des Stadtteils und im Bewusstsein der Bewohner/innen und Stadtplaner/innen. Diese Zahlen machen allerdings deutlich, dass in den nächsten 5 bis 10 Jahren im Rieselfeld mit einer großen Zahl an jugendlichen Einwohner/innen zu rechnen ist.

Mit der Entwicklung eines Konzeptes für die offene Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil Rieselfeld beauftragte die Stadt Freiburg die Kontaktstelle für praxisorientierte Forschung an der Ev. Fachhochschule Freiburg. Um der großen Zahl zu erwartender Jugendlicher gerecht zu werden, wurde vom Praxisteam der Kontaktstelle das Konzept einer dezentralen, sozialräumlichen und gemeinwesenorientierten Kinder- und Jugendarbeit erarbeitet und erprobt.

Grundgedanke dieser Konzeption ist, eine möglichst flexible und vielfältige Raum- und Angebotsstruktur im Stadtteil zu schaffen. Neben Cliquenräumen und betreuten Jugendtreffs sollen auch Aktionsräume für kreative, kulturelle und soziale Aktivitäten eingeplant werden und (nach und nach) dezentral im Stadtteil entstehen. Bei der Entwicklung und Erprobung des Konzeptes sollten von vornherein die Kinder und Jugendlichen sowie die erwachsenen Stadtteilbewohner/innen mit einbezogen werden.

Die besondere Anforderung an die Mitarbeiter/innen des Projektes ist dabei, mit wenigen Jugendlichen, die zurzeit im Stadtteil präsent und an einer Beteiligung interessiert sind, für eine Vielzahl von Jugendlichen, die den Stadtteil in einigen Jahren bevölkern werden, eine tragfähige Struktur der Kinder- und Jugendarbeit im Rieselfeld zu entwickeln.

Ziele der Aktivierenden Befragung

Für die Erarbeitung und Erprobung des Konzeptes war es wichtig, etwas über die Bedürfnisse der Jugendlichen im Rieselfeld bezüglich ihrer Freizeitorte und ihrer Freizeitgestaltung zu erfahren, Jugendliche zu aktivieren, Visionen für die zukünftigen Jugendräume des Stadtteils zu entwickeln und ihre Bedürfnisse gegenüber den zuständigen Stellen in der Stadt und im Stadtteil zu äußern, das bisher erarbeitete Konzept darzustellen und in Bezug zu den Ideen der Jugendlichen zu setzen.

Zum Erreichen dieser Ziele galt es, eine breit einsetzbare Methode zu finden, die genug Attraktivität besitzt, um die Jugendlichen anzusprechen und zu motivieren, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu äußern, auch kreativ ist, um mit ihnen an Visionen für den Stadtteil zu arbeiten, und produktorientiert, um eine Grundlage für weitere Gespräche mit nicht beteiligten Jugendlichen und Erwachsenen im Stadtteil zu bekommen. Die Verknüpfung der Methode der Aktivierenden Befragung mit dem Medium Film und die anschließende Präsentation bei einem Jugendforum schien uns eine geeignete Methode.

Besonderheiten der Vorgehensweise

Wir wollten auf Grund unserer Zielsetzung und der spezifischen Ausgangssituation über die filmerisch festgehaltene Abgabe von Statements der Jugendlichen hinaus gehen. Unser Interesse war, mit Hilfe des Filmens die Jugendlichen zu eigenen, kreativen Ideen für die Planung ihrer Treffpunkte im Stadtteils anzuregen. Daher wurde ein professioneller Filmer engagiert, der einerseits Erfahrungen im medienpädagogischen Umgang mit Jugendlichen hatte, und andererseits Erfahrungen in der professionellen Herstellung von Filmbeiträgen. Von der Kombination dieser Erfahrungen erhofften wir uns ein gleichsam visionäres wie informatives Filmprodukt.

Mit im Team waren eine Praktikantin der Sozialpädagogik und ein pädagogischer Mitarbeiter der Kinder- und Jugendarbeit im Stadtteil. Sowohl für das abschließende Jugendforum als auch für die Weiterarbeit an den Ideen und Beteiligungsmöglichkeiten hatte die Anbindung des Projektes an eine im Stadtteil präsente Jugendeinrichtung eine große Bedeutung. Zur Umsetzung des Filmprojekts wurden Mittel der Jugendstiftung Baden-Württemberg beantragt. Alle Maßnahmen, die die künstlerische und technische Herstellung des Filmes betrafen, konnten über diese Mittel finanziert werden. Die beiden pädagogischen Mitarbeiter/innen dagegen wurden aus dem Finanzbudget des Gesamtprojektes bezahlt. Das Projekt erstreckte sich über einen Zeitraum von September 2001 bis März 2002. Es nahm eine Kerngruppe von sieben Jugendlichen im Alter von 11 bis 16 Jahren daran teil. Vier davon waren Mädchen, drei Jungen. Temporär wirkten auch andere Jugendliche am Filmprojekt mit.

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