»Von Einer die auszog, die Aktivierung zu lehren ...« Eine Aktivierende Befragung in Ulm mit externen Befrager/innen 1 (2)
Ausgangslage/Rahmenbedingungen
Aus einer Fortbildungsreihe »Berufsforum Sozialarbeit« – Gemeinwesenorientierung in der sozialen Arbeit an der Volkshochschule Ulm – ging eine Gruppe engagierter Sozialpädagog/innen, Pädagog/innen und Soziolog/innen hervor, die zwischenzeitlich mehrere Aktivierende Befragungen in Ulm und im Landkreis im Auftrag der Kommunen oder Stadtteilvereine durchführte.
Die Autorinnen sind Teil dieser Gruppe und in diesem Feld freiberuflich tätig. Schon im Vorfeld des ersten Auftrages stand die Diskussion, inwieweit es Sinn macht, quasi als externe Beraterinnen eine Aktivierende Befragung in Organisation und Durchführung zu begleiten und die Schulung von Interviewerinnen durchzuführen.
Wir gehen dabei von folgender Hypothese aus: Betrachtet man einen Stadtteil mit seinen Initiativen, Einrichtungen und engagierten Bewohner/innen als Organisation, die eine Weiterentwicklung bezüglich Aktivierung und Beteiligung anstrebt, dann kann Aktivierende Befragung als Methode zur Organisationsentwicklung dienen. Wir verstehen somit unseren Auftrag als Dienstleistung, die Erfahrungen und Kenntnisse vermittelt, sich gleichzeitig in einen offenen Prozess einlässt und Anstöße für die weitere Arbeit vor Ort entwickelt.

Die hier skizzierten Erfahrungen beziehen sich auf unseren ersten Auftrag in einem großen Ulmer Stadtteil. Auftraggeber war der seit Jahren aktive Stadtteilverein für Jugendhilfe und Gemeinwesenarbeit, der auch als Träger für das Bürgerhaus Verantwortung übernommen hat und hauptamtliches Personal beschäftigt. In diesem Verein sind die verschiedenen sozialen Einrichtungen dieses Bezirks, engagierte Menschen aus Bürgerschaft und Politik, sowie Kirchen und kleinere Vereine/ Initiativen als Mitglieder vertreten. Das Befragungsgebiet (360 Haushalte) wurde vom Stadtteilverein ausgewählt und war Teilbereich des Sanierungsgebietes im Gesamtprogramm »Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf – Die Soziale Stadt« .
Ziele der Aktivierenden Befragung
In Fachgesprächen, bei Stadtspaziergängen und Geschichtswerkstätten wurde bereits intensiv über notwendige Veränderungen und zukünftige Entwicklungschancen im Stadtteil beraten; mit der Methode der Aktivierenden Befragung sollte ein weiteres Beteiligungsinstrument eingesetzt werden. Ziel war es außerdem, auch sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen zu erreichen und im nächsten Umfeld des Bürgerhauses das Aktivierungspotenzial auszuloten.
Besonderheiten der Vorgehensweise

Als externe Beraterinnen legten wir Wert auf eine intensive Auftragsklärung und die Erstellung eines schriftlichen Angebotes in Vertragsform. Für uns war die Aktivierende Befragung eine zeitlich begrenzte Aufgabe bei der es nicht darum ging inhaltliche Ziele vorab fest zu legen und an deren Umsetzung zu arbeiten, sondern einen ergebnisoffenen Prozess zu initiieren, zu begleiten und zu dokumentieren. Die Schulung einer Befrager/innengruppe für diese Aufgabe war ein besonderer Baustein in diesem Auftrag.
Da sich aus dem Stadtteil keine Interessierten meldeten und über die Werbung der Volkshochschule nur wenige Personen gewonnen werden konnten, war die direkte Ansprache möglicher Befrager/innen erforderlich. Wir haben letztlich mit einer Befrager/innengruppe von Schülerinnen, Student/innen und im sozialen Bereich Tätigen gearbeitet. Lediglich ein Mitglied der Gruppe war zu dieser Zeit als Praktikant im Stadtteil beschäftigt. Neben uns als externen Berater/innen waren also auch externe Befrager/innen aktiv.
Wir (die Autorinnen) befanden uns in einer Doppelrolle – einerseits als freiberufliche »Expertinnen« in der Aktivierenden Befragung engagiert, andererseits als langjährige Mitarbeiterinnen der Kommunalverwaltung in kollegialen Bezügen mit den Beteiligten stehend und mit viel Hintergrundwissen ausgestattet. Die Erkenntnis daraus war, dass auch wir im Prozessverlauf unsere Rollen klären und Position innerhalb und außerhalb der Gruppe beziehen mussten.


