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»Doorknocking« Aktivierende Gespräche an der Haustür 1 (3)

Zielsetzung des »Doorknocking«

Der englische Begriff kommt aus der Tradition des Community Organizing (»Gemeinschaft/Nachbarschaft organisieren«). Wenn in einer Nachbarschaft »organisiert« wurde, gingen die Aktiven von Haustür zu Haustür und »klopften an«, um ein kurzes, persönliches Gespräch zu führen. Übersetzt wird es hier mit »Haustürgespräch«. Sie sind sinnvoll,

  • wenn eine bestimmte Information besonders wirkungsvoll verbreitet werden soll. Dazu sind Handzettel zwar auch wichtig, aber sie werden in der Regel wenig gelesen, wenn sie einfach nur so im Briefkasten liegen.

  • zum ersten, oberflächlichen Kennenlernen der Bewohner/innen in einem bestimmten Haus oder einer bestimmten Gegend

  • zur kurzfristigen Erinnerung: »Heute abend ist die Bewohnerversammlung, an der Sie Interesse hatten. Hier ist der Handzettel« oder »morgen findet eine Spielplatzaktion statt – haben Sie davon schon gehört?«

Bekanntlich bleiben Informationen besser hängen, wenn sie auf mehreren sinnlichen Ebenen erfahrbar sind. Wenn Informationen über ein Haustürgespräch vermittelt werden, passiert aus der Sicht des Besuchten gleichzeitig sehr viel:

  1. Störung/ Unterbrechung: Jemand steht vor meiner Haustür – also passiert etwas Wichtiges. Achtung: Vielleicht löst das Klingeln an der Wohnungstür aber auch Ärger über eine Störung oder Misstrauen und Angst aus.
  2. Persönlicher Kontakt: Eine Person übergibt mir eine Information, d.h. irgendwie hat diese Person etwas mit dieser Information zu tun.
  3. Entscheidungsfreiheit: Es ist offen, wie ich mit dieser Situation umgehe. Ich habe mehrere Möglichkeiten:
  • Dies kann mich neugierig machen auf das, worüber mich diese Person informiert (wenn mir diese Person bekannt ist oder ich sie sympathisch finde).
  • Ich kann über diese Information ins Gespräch kommen bzw. Fragen stellen (z.B. »Wer hat sie geschickt? Warum machen Sie das? Was soll das bewirken?«)
  • Ich kann die Tür sofort wieder schließen, im Türrahmen ein Gespräch führen oder die Person bitten herein zu kommen.
  • <td class="content12"></td>Ich kann meine Meinung oder Andeutungen dazu machen, ob mich dieses Thema überhaupt interessiert.
  • <td class="content12"></td>Ich kann bei dieser Gelegenheit abchecken, ob ich mit dieser Person oder dieser Sache etwas weiter zu tun haben will. Vielleicht habe ich ja vorher schon mal was von dieser Sache gehört, aber wusste nicht, wer dahinter steckt oder was das für mich bedeuten könnte.
  • Wenn ich etwas Schriftliches nach diesem Haustürgespräch in der Hand habe, kann ich es lesen, wegschmeißen, für später aufbewahren, mit anderen drüber sprechen...

Es ist von zentraler Bedeutung, dass die besuchte Person diese Wahlfreiheit spüren kann!

tipp

In der Tabelle »Besonderheiten in der Vorgehensweise« sind die wesentlichen Unterschiede zwischen »Doorknocking« und Gesprächen, wie sie im Rahmen von Aktivierenden Befragungen geführt werden, tabellarisch dargestellt.

Erkenntnisse

Wichtig ist die innere Haltung beim »Doorknocking«:

  • Ich bin keine Bettlerin oder Vertreterin, die Ramsch verkaufen will oder Leute zu etwas manipulieren will, sondern: ich mache ein Angebot!

  • Ich komme möglicherweise zu einem unpassenden Augenblick und mache daher dem Gegenüber deutlich, dass ich respektiere, wenn dieser jetzt nicht mit mir reden möchte. Oft lässt sich das schon an der Mimik des Gegenübers ablesen. Wenn die Person sauer guckt, kann auch ein »Entschuldigen Sie, dass ich Sie störe, ich...« helfen (es gibt aber meistens viele, die durchaus Zeit und Interesse haben zu reden).

  • Die Person sollte spüren können, dass sie die Entscheidungsfreiheit hat, also keinen moralischen Druck machen, wenn jemand gerade nicht mit einem sprechen will.

  • Es ist einfach so, dass Leute, die keinen Terminkalender führen auch Termine, die ihnen wichtig sind, schon mal vergessen. Deshalb sind viele dankbar für diese kleine Erinnerung.

  • Öfters mal eine kurze Runde Haustürgespräche – das ist das beste Gegenmittel gegen zu viel Schreibtischarbeit. Da erweitert sich der eigene Blick sofort und bringt einen ein Kontakt damit, was bei den Menschen im Stadtteil angekommen ist oder wie Informationen aufgenommen werden (»Ach, den Handzettel habe ich noch gar nicht gesehen..., haben Sie schon gehört...«).

  • Haustürgespräche lassen sich gut gemeinsam mit aktiven Bewohner/innen durchführen. Sie sind ein gutes Übungsfeld, damit sich Bewohner/innen überhaupt trauen, Nachbarn (mit denen sie nicht bekannt oder befreundet sind!) zu besuchen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Dann ist es allerdings wichtig, vorher genau die Rollenverteilung abzusprechen!
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