Arbeitsbuchmethode: Werkzeug und Prozess 2 (3)
Die 8 Schritte einer Arbeitsbuchmethode (Fortsetzung)
5. Erstellung von Arbeitsbuch 1
Ein »Arbeitsbuch« ist kein abschreckender, dicker Wälzer. Vielmehr handelt es sich in der Regel um sehr heiter und lesefreundlich aufgemachte und mit vielen Abbildungen, Zeichnungen oder auch Zeitungsartikeln illustrierte DIN A4-Hefte von zwischen 16 bis 24 Seiten Umfang, also eher um bebilderte Fragebögen. Der Name »Arbeitsbuch« ist daher vielleicht im Deutschen etwas irreführend.
Arbeitsbücher beginnen zumeist - aber nicht immer! - mit offenen Fragen. Beispiel aus einem Projekt in einem Wohngebiet von Norrköping: »Was ist gut und wichtig in Ljura? Bitte versuchen Sie, drei Punkte zu benennen!« – »Was ist weniger gut, was sind Mängel in Ljura? Versuchen Sie bitte, drei Punkte zu benennen.«
Auf den folgenden Seiten präsentiert die Redaktionsgruppe unterschiedliche Probleme des Wohngebietes – ggf. auch unterschiedliche Lösungsansätze und Meinungen – und stellt dazu Fragen. Wenn das Arbeitsbuch aufgeschlagen ist, stehen jeweils auf der linken Seite die Problembeschreibung und mögliche Lösungsvorschläge. Auf der rechten Seite finden sich die dazu gehörigen – zumeist – geschlossenen Fragen (ja/nein/weiß nicht bzw. Wahl von Alternativen) und Raum für weitere Vorschläge und eigene Ideen.
Neben Meinungen und Stellungnahmen wird auch nach der persönlichen Bereitschaft gefragt, bei der Lösung des Problems oder bei der weiteren Planung zu dem jeweiligen Punkt selber mitzuarbeiten.
Das Arbeitsbuch enthält eine kurze Einführung, warum das Projekt gestartet wurde/wird, eine Beschreibung der Methode (Arbeitsbuch 1 bis 3), Informationen zur Abgabe (Datum, Adresse) sowie eine Auflistung der Namen derjenigen, die an der Erstellung des Arbeitsbuchs beteiligt waren.
6. Verteilung und Einsammlung von Arbeitsbuch 1
Das Arbeitsbuch 1 wird immer persönlich verteilt, also nicht etwa bloß in den Briefkasten geworfen oder per Post verschickt. Diese persönliche Verteilung ist ein absolutes Muss. Hierfür werden Multiplikator/innen, sprich: vertraute Gesichter, aus Vereinen, Organisationen oder den jeweiligen Bevölkerungsgruppen gewonnen. So achtet man z.B. in Wohngebieten mit hohem Migrant/innenanteil darauf, dass die Bewohner/innen möglichst von Bürger/innen aus ihren jeweiligen Herkunftsländern besucht werden, alleine schon, um sprachliche Probleme zu vermindern. Auch bei anderen (z.B. Verständnis- oder Lese-)Schwierigkeiten stehen die Verteiler/innen als Ansprechpersonen zur Verfügung.
Die gesamte Aktion wird über die Lokalpresse, Handzettel, Aushänge in Geschäften, die örtlichen Vereine, Schulen vorab angekündigt, damit sie für die meisten Bewohner/innen nicht völlig überraschend kommt. Mit der Übergabe wird ein Abgabe- oder Einsammeltermin bekannt gegeben oder vereinbart. Wenn es geht und gewünscht ist, wird das Arbeitsbuch zum vereinbarten Termin auch wieder von der selben Person abgeholt. Dies ist aber kein Muss.
Unterschiedlich wird gehandhabt, ob jeder Haushalt oder jedes Haushaltsmitglied einzeln ein Arbeitsbuch erhält. Verschiedentlich wurden auch nach Altersgruppen differenzierte Arbeitsbücher erstellt (auch für Kinder und Jugendliche). Ebenso wurden statt der Haus-zu-Haus-Verteilung auch andere Formen der Verteilung z.B. über die Schulen, Läden, die örtlichen Vereine gewählt.
Für die Beantwortung wird ein Zeitraum von 10 bis 14 Tagen angesetzt. Möglichst wird im Arbeitsbuch 1 angegeben, wann mit Arbeitsbuch 2 und den nächsten Schritten zu rechnen ist, damit sich alle Befragten darauf einstellen können. Wer nach Ablauf der Frist nicht geantwortet hat, wird noch einmal erinnert.
Wenn nicht mehr als ein Viertel der betroffenen Bewohner/innen erreicht werden, wird empfohlen, den Prozess nicht weiter fortzusetzen. Stattdessen solle man sich überlegen, was man falsch gemacht hat. Es sei ein Zeichen dafür, dass man nicht die Sachen gefragt hat, die die Menschen wirklich interessierten. Die Regel ist aber, dass die Rücklaufquoten weit höher liegen.
7. Arbeitsbuch 2
Die eingegangenen Antworten werden zusammengestellt und im Arbeitsbuch 2 dokumentiert. Alle Bewohner/innen erhalten ein Exemplar. Zusammen mit der Verteilung wird zu Studienzirkeln (Arbeitsgruppen) eingeladen, die entweder nach Themen oder nach räumlichen Kriterien gebildet werden. In den Studienzirkeln, die von Mitgliedern der Redaktionsgruppe oder dem Koordinator/der Koordinatorin moderiert werden können, wird eine Rangordnung und Gewichtung vorgenommen. Hierzu werden Sachverständige aus der Verwaltung und andere Expert/innen eingeladen, um Angaben zu den Umsetzungsmöglichkeiten und -alternativen, Kosten, verfügbare Haushaltsmittel zu machen. Während Arbeitsbuch 1 vor allem darauf zielte, grundsätzliche Wünsche zu ermitteln, verschiebt sich der Schwerpunkt nun zu den Fragen der Durchführung: wie und wer? Es werden konkrete Umsetzungsschritte oder -vorschläge entwickelt. Die Studienzirkel sollen ihre Arbeit binnen 2 Monaten abschließen.
8. Arbeitsbuch 3 und Umsetzung
Die Redaktionsgruppe fasst die Ergebnisse im Arbeitsbuch 3 zu Handlungsempfehlungen zusammen, die an alle Bewohnerinnen und Bewohner sowie an Politik und Verwaltung gehen. Politik und Verwaltung legen in einem zuvor vereinbarten Zeitraum dar, ob, wann und wie die an sie gerichteten Vorschläge umgesetzt werden und geben später einen Umsetzungsbericht ab.


