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Längerfristige aktivierende Arbeit mit Jugendlichen 2 (2)

»Verarschen kann ich mich auch alleine« (Fortsetzung)

Es kam mir darauf an, dass sich die so genannte Beteiligung nicht in einer einmaligen Umfrage erschöpfte, sondern die Planung möglichst umfassend in den Händen der Jugendlichen blieb. Bei den Verhandlungen der Jugendlichen mit den (durchaus wohl gesonnenen) Mitarbeiter/innen des Grünflächenamtes war es entscheidend, den Spielraum für das Verwaltungshandeln durch detaillierte Vorgaben möglichst klein zu halten (»Was kostet denn nun ein Quadratmeter Asphalt und wie viel können wir uns davon leisten?«).

Artikel in den »Dürener Nachrichten«: »Jugendtreffpunkt am Miesheimer Weg: Eröffnungsfest noch in diesem Sommer? Düren. Sie haben abgemessen und dort Fluchtstäbe gesetzt, wo bald gebolzt, geskatet, Tischtennis und Streetball gespielt werden kann. Die Kinder aus dem Roncalli-Haus zeigten Eigeninitiative (...)«
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Ein bis zwei Jahre sind schon fast eine andere »Jugendgeneration«. In dem Zeitraum können sich jedenfalls Neigungen, Bindungen und Interessen von Jugendlichen komplett verändern. Auf dem Höhepunkt der Dynamik zählte ich 38 beteiligte Jugendliche, später hatte ich mit 10 bis 20 ganz anderen zu tun. Länger dauernde Projekte bedürfen also der Reorganisation. Dazu musste ich auch schon mal meine eigene Regel brechen, z.B. nicht stellvertretend zu handeln. Das für das Projekt Notwendige musste getan werden.

Mein Ansatz erfordert es, sich auf offene Situationen – ohne Erfolgsgarantie – einzulassen. Die nachträgliche Bewertung ist schwierig. Wie misst man Erfolg? Wie misst man persönliche Entwicklung? Vielleicht daran, dass bis heute viele der ehemaligen Jugendlichen auf die Frage, wer denn den Bau dieses Jugendtreffs erreicht habe, mit »Na, wir!« antworten (Die Art und Kürze des Beitrages lässt nicht zu, dass ich alle meine Aussagen begründe oder belege. Das hole ich auf Anfrage gerne nach).

Bei der rückwärtigen Betrachtung des Projektes anlässlich dieses Buches einige Zeit nach dessen Abschluss fiel mir ein Bericht des Deutschen Jugendinstitutes (1999 im Auftrag des BMFSFU) auf, in dem die zunehmende Beteiligung von Jugendlichen und Kindern im kommunalen Bereich untersucht wurde. Bei dessen Lektüre blieben mir einige kritische Fragen zur Qualität dieser Beteiligungen:

  • Wie weit geht die Aktivierung dabei wirklich?
  • Wird an den Interessen der Jugendlichen angesetzt oder sucht sich da eine Projektidee die passenden Kinder?
  • Erschöpft sich die Beteiligung in einer Umfrage, in der man für A oder B stimmt?
  • Welche Kinder werden erreicht? Wie ist das Verhältnis von Mädchen und Jungen, von deutschen und Migrationsfamilien, von Ober- und Sonderschülern?
  • Handelt es sich um eine Ernstsituation oder um eine Spielwiese?
autor

Andreas Bohm

adresse

Büro für Gemeinwesenarbeit der Ev. Gemeinde zu Düren
Philippstraße 4
52349 Düren
Telefon (0 24 21) 18 81 14 (0 24 21) 1 88-16 9
Telefax (0 24 21) 1 88-18 8
E-Mail:andreas.bohm@evangelische-gemeinde-dueren.de

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