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Bürgerbeteiligung als Teil der lokalen Demokratie 2 (5)

III. Notwendigkeit und Möglichkeiten der Engagementförderung

Um die Bereitschaft der Bürgerinnen und Bürger zum Engagement zu aktivieren, sind jedoch Appelle mit dem erhobenen Zeigefinger wenig hilfreich. Notwendig sind vielmehr praktische Hilfen. Dazu gehören zum einen differenzierte Angebotsformen, die unterschiedlichen Motivationsmustern gerecht werden und auch (zeitlich) abgestufte Mitmachmöglichkeiten eröffnen.

Engagementfördernde Infrastruktur

Zum anderen brauchen wir eine engagementfördernde Infrastruktur, wie sie in den letzten Jahren in vielen Städten und Gemeinden in Form von Selbsthilfekontaktstellen, Freiwilligen-agenturen und Seniorenbüros ansatzweise entstanden ist. Hier erhalten Interessierte notwendige Beratung und Unterstützung und hier werden auch Kontakte vermittelt. Es gilt, diese Infrastruktur bedarfsgerecht auszubauen und ihre Arbeit untereinander sinnvoll aufeinander abzustimmen.Zu einer engagementfördernden Infrastruktur können auch Spendenparlamente und Gemeinschaftsstiftungen beitragen, wie sie während der letzten Jahre in vielen Städten entstanden sind.

Prinzip der Mitverantwortlichkeit

Menschen können Verantwortungsbewusstsein nur dann entwickeln, wenn sie auch Gelegenheit haben, Verantwortung auszuüben. Entsprechendes learning by doing kann nicht früh genug einsetzen. Hinzuweisen ist etwa auf die erfolgreichen Beispiele, in denen Schulen über größere Teile ihres Budgets frei verfügen und selbst bestimmen können, ob sie diese für Renovierungen, Schulbücher, Klassenfahrten, Anschaffungen, Biotop etc. verwenden oder in denen (Hoch-)Schulen Energiesparprogramme ausarbeiten, um über einen Teil des dadurch eingesparten Geldes für andere Zwecke disponieren zu können. Schüler(innen), Eltern und Lehrer(innen) werden mit den zur Verfügung gestellten Ressourcen wesentlich verantwortungsbewusster umgehen, als wenn ihr Verhalten für sie folgenlos bleibt.


Diese Beispiele sind auch auf andere Bereiche in der Kommune übertragbar. Wer von Bürgerinnen und Bürgern verantwortliches Handeln erwartet, muss ihnen auch Verantwortung übertragen. In öffentlichen Einrichtungen und bei öffentlichen Dienstleistungen können die vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten, Besucher(innen) bzw. Nutzer(innen) aktiv zu beteiligen, mit Leben gefüllt und erweitert werden.

Aktivierende Gemeinwesenarbeit

Besondere Bedeutung muss der speziellen Förderung und Entwicklung von Selbsthilfepotenzialen in Stadtteilen beigemessen werden, in denen soziale Benachteiligungen und Problemlagen kumulieren. Die Unterstützung des Aufbaus selbsttragender Bewohnerorganisationen und die Entwicklung stabiler nachbarschaftlicher Netze sind das Ziel aktivierender Gemeinwesenarbeit. Dabei geht es darum, möglichst alle für das Gebiet relevanten Akteurinnen und Akteure (Bewohnerinnen und Bewohner, Eigentümer/innen, lokale Organisationen, Politik, Verwaltung, Wirtschaft) zusammenzubringen, um Ressourcen zu bündeln und die Bewohnerinnen und Bewohner für den Stadtteil zu aktivieren.

Nach der Analyse des Status quo und Erhebung stadtteilspezifischer Probleme und Bedarfe folgt die Entwicklung von konkreten Projekten und Handlungsschritten und deren Umsetzung. Für alle Arbeitsschritte gilt, dass die Bewohnerinnen und Bewohner des Gebietes aktiv beteiligt sein müssen. Ohne ihr Engagement und ohne ihre Motivation kann Gemeinwesenarbeit nicht gelingen. Gemeinwesenarbeit setzt daher an der persönlichen Betroffenheit, an den Themen der Menschen an. Im Rahmen der Gemeinwesenarbeit können vielfältige Methoden der Bürger(innen)beteiligung kombiniert angewendet werden.

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