Gestaltungskriterien
Gestaltungskriterien
Um die Ziele, die mit Diskurs- und Verhandlungsverfahren angestrebt werden, erreichen zu können, ist es notwendig, im konkreten Fall jeweils genau den Konflikt, die Interessenlagen, die Akteurkonstellation und die Rahmenbedingungen zu analysieren und auf dieser Basis ein maßgeschneidertes Verfahren zu entwickeln. Das Verfahrensdesign wird auch davon abhängen, welche Ziele mit den Beteiligten und Betroffenen vereinbart und welche Ressourcen dafür mobilisiert werden können.
Im Laufe der letzten zehn Jahre hat sich eine Reihe von mehr oder weniger standardisierten Verfahren der diskursiven Bürgerbeteiligung in Diskussion und Praxis etabliert. Während jedoch etwa die Planungszelle als spezifische Merkmalskombination mit einem typisierten Ablaufschema weitgehend standardisiert ist, können sich hinter einem Runden Tisch, einem Mediationsverfahren oder einem Stadtoder Regionalforum sehr unterschiedliche Verfahren entfalten. Auch Kombinationen verschiedener Formen der diskursiven Bürgerbeteiligung, etwa von Planungszellen und einem Mediationsverfahren, sind denkbar und haben sich in der Praxis bewährt.
In den Tabellen 2–4 werden die im vorigen Abschnitt dargestellten allgemeinen Leistungsanforderungen in Gestaltungskriterien für Diskurs- und Verhandlungsverfahren übersetzt (vgl. auch Renn/Webler 1997:67; Wiedemann/Nothdurft 1997:185). Dabei werden drei Ebenen analytisch unterschieden:
- Verfahrensmerkmale, also sozusagen die Verfassungsebene von Diskurs- und Verhandlungsverfahren;
- Prozessmerkmale, also Kennzeichen des Verfahrensablaufs; sowie
- Ergebnisse und Wirkungen.
Die Absicht ist es, ein Beschreibungsschema für Diskurs- und Verhandlungsverfahren bereitzustellen, das zugleich als Grundlage sowohl eines Vergleichs verschiedener Verfahrenstypen (zum Beispiel Planungszelle versus Zukunftswerkstatt) wie auch einer Evaluation spezifischer Bürgerbeteiligungsverfahren dienen kann.
Elster, Jon (1998): Introduction, in: ders. (Hrsg.): Deliberative Democracy, Cambridge: Cambridge University Press, S. 1–18.
Feindt, Peter H. (2001): Regierung durch Diskussion? Peter Lang Verlag, Frankfurt am Main u.a.
Habermas, Jürgen (1992): Faktizität und Geltung. Beiträge zur Diskurstheorie des Rechts und des demokratischen Rechtsstaats, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main.
Renn, Ortwin/Webler, Thomas/Rakeh, Horst/Dienel, Peter/Johnson, Branden (1993): Public Participation n Decision Making: A Three-Step Procedere, in: Policy Sciences 26, S. 189–214.
Renn, Ortwin/Webler, Thomas (1997): Steuerung durch Kooparativen Diskurs-Konzept und praktische Erfahrungen am Beispiel eines Deponieprojektes im Kanton Aargau, in: Köberle, Sabine/Gloede, Fritz/Hennen, Leo (Hrsg.): Diskursive Verständigung? Mediation und Partizipation in Technikkontroversen, Nomos Verlag, Baden-Baden, S. 64–100.
Scharpf, Fritz W. (2000): Interaktionsformen. Aktuerzentrierter Institutionalismus in der Politikforschung, Leske+Budrich Verlag, Opladen.
Wiedemann, Peter/Nothdurft, Werner (1997): Alle Macht den Diskursen? Zur Funktion von Diskursen für Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Öffentlichkeit, in: Köberle, Sabine et al. (Hrsg.), a.a.O., S. 164–174



