zur Sucheingabe
Zur Hauptnavigation
Zur Unternavigation
Direkt zum Inhalt

Planen mit Bürgerinnen und Bürgern? Die Planungswerkstatt im Praxistest 2 (3)

Ortsbegehung

Als Voraussetzung für den eigentlichen Werkstattermin empfiehlt sich eine Ortsbegehung mit allen Beteiligten. Der Planungsraum wird bei dieser Gelegenheit noch einmal mit allen Sinnen erfasst. Zentrales Ziel ist, ein Gefühl für die räumlichen Dimensionen zu bekommen bzw. diese aufzufrischen, räumliche Potenziale (z.B. für Bebauungen) zu ermitteln und »Juckpunkte«, also Punkte, an denen es schwierig werden könnte, zu identifizieren. Die Planer und die Moderation haben die Aufgabe, die wesentlichen Ergebnisse z.B. in Form von Skizzen festzuhalten.

Für die Durchführung gibt es verschiedene Möglichkeiten. Optimalerweise findet die Planungswerkstatt direkt im oder am Planungsgebiet statt, so dass die Teilnehmer während des gesamten Verlaufes der Werkstatt ihr Bild von der Situation vor Ort erneuern können. Ist der Raum zu großflächig oder weiter entfernt, empfiehlt sich eine Ortsbegehung einen Tag vor dem eigentlichen Werkstatt-Termin. Die Planer haben in diesem Fall die Möglichkeit, die Ergebnisse aufzubereiten und in der eigentlichen Planungswerkstatt gebündelt zu präsentieren.

Werkstatt-Termin(e)

Zunächst ist die Frage zu beantworten, ob ein Werkstatt-Termin ausreicht oder ob ggf. mehrere Termine sinnvoll sind. So hat beispielsweise die Planungswerkstatt für ein ehemaliges Industriegebiet (750 ha) in den Städten Recklinghausen und Herten eine Woche gedauert. In dieser Zeit fanden drei öffentliche Veranstaltungen statt. Die Notwendigkeit für einen solchen, etwas aufwendigeren Prozess, kann gegeben sein, wenn die Aufgabenstellung komplex ist oder es sehr gegensätzliche Interessen gibt.

Bei einem ersten Termin wurden in diesem Fall die Interessen der Grundeigentümer im Rahmen einer »Talkrunde« dargestellt. Im weiteren Verlauf haben die Bürgerinnen und Bürger und die Multiplikatoren gute Ideen für die Gestaltung der Fläche gesammelt, ohne diese zu verräumlichen. Es ging darum, zunächst einmal eine Vielzahl von gewünschten Qualitäten und Ideen zu sammeln und Prioritäten zu bilden. Erst im weiteren Werkstattprozess wurden die Ideen dann gemeinsam mit Landschaftsarchitekten in Form von Leitbildern und konkreten Maßnahmen auf die Fläche projiziert. Die Trennung von Ideensammlung, Bewertung und Übertragung auf den Raum bewährte sich. Die Praxis in solchen komplexen Planungssituationen zeigt: Überspringt man die ersten Schritte, zeigen sich die Konflikte und Interessengegensätze erst bei der Arbeit an Plänen und Skizzen. Eine konstruktive Erarbeitung von Planungsvarianten ist dann viel schwieriger.

Sind die Rahmenbedingungen z.B. durch politische oder räumliche Vorgaben sehr klar, genügt in den meisten Fällen ein Werkstatt-Termin. Man wird jedoch auch hier nicht darum herum kommen, die Diskussion um gewünschte Qualitäten zu führen. So wurde beispielsweise bei einer Planungswerkstatt in Soest, bei der eine innenstadtnahe Fläche im Mittelpunkt der Betrachtung stand, vor der eigentlichen Entwurfsarbeit folgenden Fragen in Kleingruppen nachgegangen: Was sind Qualitäten der Lage? Was soll die Bebauung bewirken? Was darf auf keinen Fall entstehen? Welche Ideen gibt es schon? Die Ergebnisse bildeten eine wesentliche Grundlage für die nachfolgende Entwurfsarbeit.

Die Arbeit mit Plänen und am Modell

Die Umsetzung von Ideen in planerische Skizzen oder Modellvarianten ist ein kreativer Prozess, in dem ein wenig Chaos erlaubt oder sogar erwünscht ist. Man stelle sich einen großen (am besten hellen und lichtdurchfluteten) Raum vor, in dem – je nach Teilnehmerzahl und Aufgabenstellung – 1 bis x große Tische stehen. Auf den Tischen liegen Pläne in verschiedenen Maßstäben, Skizzenpapier und bunte, grobe Stifte. Optimalerweise stehen daneben ein oder zwei Pinnwände, an welche Pläne, Zwischenergebnisse etc. gepinnt werden können.

Eine kostenaufwendigere Variante ist die Arbeit an einem Modell. So standen beispielsweise bei den Mieterwerkstätt en in einer Arbeitersiedlung in Essen-Katernberg die Mieterinnen und Mieter rund um ein 1 x 1 Meter großes Modell ihres Quartiers und probierten gemeinsam mit den Planern in Form von kleinen Holzhäusern verschiedene Bebauungsvarianten aus, deren Vor- und Nachteile gemeinsam erörtert wurden. Die Planer haben in dieser Phase eine sehr wichtige Aufgabe. Sie sollten die Ideen der Bürger aufgreifen und diese bei der Darstellung im Modell oder in Form einer Skizze unterstützen. Die Bürgerinnen und Bürger haben meistens eine große Scheu, die Stifte selbst in die Hand zu nehmen. Hier ist viel Fingerspitzengefühl gefragt, die Bürgerinnen und Bürger einerseits zum Visualisieren zu ermutigen und zum anderen Ideen für sie als Dienstleister zu visualisieren.

Die Moderation hat die Aufgabe, den Prozess durch gezieltes Nachfragen zu unterstützen und zwischen Planern und Bürgern zu vermitteln. Eine wichtige Aufgabe ist z.B. die Visualisierung von Vor- und Nachteilen von Planungsvarianten.

LinkLink zurück zum Anfang | weiter Link
Spalte ausblenden | einblenden


Stiftung Mitarbeit
Ein Projekt der


Hauptnavigation: