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Planning for Real® – eine kleine Handlungsanweisung 2 (3)

2. Schritt: Die Menschen aus der Nachbarschaft bauen ein Modell ihres Ortes oder des zu gestaltenden Objektes  

Der Gegenstand, der im Mittelpunkt der Veränderung steht, wird nachgebildet. Wenn das Schaffen besserer Lebens-, Wohn- und Arbeitsbedingungen im Mittelpunkt steht, ist es naheliegend, sich davon ein gemeinsames »Bild« zu machen. Das Modell ist ein visuelles Mittel, um den gemeinsamen Handlungsprozess zu ermöglichen und zu erleichtern. Es soll kein Ausstellungsstück für eine ruhige Ecke, sondern ein ständiges, gut handhabbares Arbeitsmittel sein.

3. Schritt: Das Modell wird im Stadtteil oder am Ort herumgezeigt

Zielsetzung im dritten Arbeitsschritt ist es, mit möglichst vielen am Ort lebenden und arbeitenden Menschen mittels des nachgebildeten Ortes in ein Gespräch zu kommen. Diese Phase ermöglicht einerseits eventuell notwendige Korrekturen an dem Modell vorzunehmen, andererseits werden die Informationen, die die BewohnerInnen beim Zeigen des Modells vor Ort äußern, gesammelt und schriftlich fixiert.

4. Schritt: Nachbarschaftshilfebögen – Wer kann was?

Parallel zur Arbeit mit dem Modell werden sogenannte Nachbarschaftshilfebögen verteilt. Mit Hilfe dieser Bögen werden die Menschen angeregt, darüber nachzudenken, welche Kenntnisse, Fähigkeiten und Interessen sie besitzen und welche sie für die Entwicklung ihres Ortes zur Verfügung stellen wollen und können. Gleichzeitig haben die Menschen auch die Möglichkeit, eine Aussage über ihren eigenen Bedarf zu formulieren. Die erfassten Nachbarschaftshilfebögen ermöglichen den Aufbau einer Tauschbörse oder einer Informationsdatei über vorhandene Kenntnisse und Fähigkeiten in der Nachbarschaft.

5. Schritt: Die Ereignis-Veranstaltung

Im Mittelpunkt der Ereignis-Veranstaltung steht das Arbeiten am Modell unter Zuhilfenahme non-verbaler Mittel. Diese non-verbalen Mittel sind sogenannte Vorschlagskarten, die Anregungen für eine Veränderung des Stadtteils bildlich und schriftlich darstellen. Mit unterschiedlichen Farben sind auf ihnen verschiedene Bereiche dargestellt, z. B. Verkehr, Grünanlagen, Gemeinschaftseinrichtungen, Gewerbe, Sport- und Freizeitaktivitäten, Kinder und Jugendliche etc. Diese Karten können von den Anwesenden dort auf das Modell gelegt werden, wo die jeweilige Person es als wichtig empfindet, dass etwas verändert wird. Dies kann allein, in Gruppen, still oder unter Absprache erfolgen. Es dürfen nur die eigenen gelegten Vorschläge wieder entfernt oder verändert werden.

Passanten begutachten das Stadtteilmodell

Die Vogelperspektive auf das Gebiet oder das Gebäude ermöglicht den Anwesenden einen Gesamtüberblick. Sie sehen, worauf die meisten Vorschlagskarten gelegt wurden. Außerdem zeigt sich anhand der Farben, welche Themen, wo am dringendsten zu bearbeiten sind. Entscheidend bei diesem Arbeitsprozess ist, dass mit den gelegten Vorschlägen keine bestimmte Person in Verbindung gebracht werden kann. Die Vorschläge sind anonym. Zielsetzung ist ebenso, dass beim gemeinsamen Legen der Karten Gespräche stattfinden, Informationen ausgetauscht werden und neue Kontakte entstehen.

Ideen für den Stadtteil

In den Entwicklungsprozess werden nun die Experten/innen unnd Planer/innen einbezogen. Ziel ist die Schaffung einer gemeinsamen Arbeitsatmosphäre, in der BewohnerInnen sowie ExpertInnen – wie beispielsweise VertreterInnen der Verwaltungen – sich über ihre Kenntnisse und Informationen austauschen können. Dafür ist es notwendig, eine nicht formal organisierte, sondern vom Handeln ausgehende Atmosphäre zu schaffen. Für beide, sowohl für die BewohnerInnen als auch für die ExpertInnen, ist die Situation neu: Die BewohnerInnen bringen ihren Sachverstand über den Ort und ihr Wissen über alltägliche Lebens- und Arbeitsbedingungen, die ExpertInnen ihr jeweiliges Fachwissen ein. Die ExpertInnen lenken und bestimmen diesen Arbeitsprozess nicht, sondern werden von den BewohnerInnen ganz konkret in Bezug auf Fragen, Probleme und/oder Vorhaben einbezogen. Zu diesem Zeitpunkt werden noch keine Lösungsansätze erarbeitet. Aber im günstigsten Fall wird von den Beteiligten eine Atmosphäre gemeinsamen Handelns (working relationship) statt einer sonst üblichen ausschließlichen Rede-Beziehung (talking relationship) geschaffen.

6. Schritt: Aufbau von Arbeitsgruppen

Die Ergebnisse der Ereignis-Veranstaltung werden in einer nachfolgenden Phase ausgearbeitet. Zielsetzung ist es, konkrete Entwicklungsschritte einzuleiten sowie Handlungsansätze zu erarbeiten und aufzuzeigen. Auf anschließenden Arbeitsterminen werden die auf das Modell gelegten Vorschlagskarten ausgewertet. Die Beteiligten gewinnen einen Überblick, über die Häufigkeit von Karten an den einzelnen Orten. Sie sehen, wo welche Farbe und damit welches Thema am häufigsten oder am seltensten gelegt wurde.

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