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Gemeinsinn-Werkstatt. Beteiligungsprozess übers Reden hinaus! 2 (3)

Gemeinsinn-Werkstätten kamen seit Oktober 2001 in fünf Modellprojekten zur Anwendung, die alle im weitesten Sinn mit Vernetzung freiwilligen Engagements innerhalb und außerhalb von Initiativen und Organisationen zu tun hatten.

Ein Beispiel für den Aufbau eines Netzwerks zwischen Multiplikatoren in der Präventionsarbeit war Frankfurt/Oder. Unter dem Titel »Toleranz: TOLL statt ranzig!« wollte eine Initiatoren-Gruppe die Vernetzung zwischen den hauptamtlichen und ehrenamtlichen Akteuren sowie Stadtverantwortlichen und Bürgern verbessern. In mehreren Vorbereitungstreffen wurden Titel, Einladung, organisatorische Arbeiten und die methodische Gestaltung mit einem Begleitteam abgestimmt.
Es entstand ein Werkstatt-Forum, bei dem über 3 Tage unterschiedliche »Märkte« – Forschungs-, Themen- und Aktionsmarkt – stattfanden. Am Ende hatten die Beteiligten ihre Projektideen und Aktionsvorhaben konkretisiert. Ein halbes Jahr später wurden dann auf einem Erntemarkt 13 abgeschlossene Aktionen und ebensoviele weiterlaufende Vorhaben präsentiert, reflektiert und gefeiert.

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Ein etwas anderes Beispiel war die Anfrage einer Lehrstuhlprofessorin der Universität Augsburg, die innerhalb ihrer Universität dieses neue Beteiligungsverfahren anwenden wollte. Auch hier wurde ein breites Spektrum an Interessenvertretern eingeladen: Rektorat, Professoren, Verwaltung und Studenten. Schließlich kamen 70 Interessenten aus allen Bereichen der Uni, um in der umgestalteten Mensa an der Optimierung des gemeinsamen Alltags zu arbeiten.

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Ein dritter Kontext, den wir mehrfach austesten konnten, war ein »offener Workshop mit thematischer Vernetzung«. Dazu wurde mit bundesweiter Beteiligung jugendlicher Multiplikatoren das Thema »Damit SIE wissen was WIR tun...! – Jugendengagement und Öffentlichkeitsarbeit« angegangen. Ein international besetzter Teilnehmerkreis aus jüngeren und älteren Engagierten konkretisierte Ideen zu »Partnerschaft statt Partizipation – neue Wege der Jugendbeteiligung international« in Berlin.  Und projektintern bauten wir mit unserem Verfahren das eigene Begleitnetzwerk in Bad Boll auf: »Gemeinsinn begleiten? Verbesserung, Verbreitung und Vernetzung der Gemeinsinn-Werkstatt« (ausführlichere Berichte unter www.netzwerk-gemeinsinn.net).

Weitere Anwendungsfelder sind die Vernetzung unterschiedlicher Interessengruppen in der Schule, der Gemeinde, des freiwilligen Engagements. Wenn komplexe handlungsrelevante Anliegen mit heterogener Beteiligung angegangen werden, lohnt es sich, die Gemeinsinn-Werkstatt als geeignetes Projektverfahren zu prüfen. Der wertschätzende Fokus des Verfahrens vermeidet zwar keine Konflikte, gibt jedoch die Möglichkeit, gemeinsame Interessen zu entdecken, unterschiedliche Perspektiven kennen zu lernen und einen konstruktiven Austausch bis hin zur Bildung sich ergänzender Aktionsteams zu ermöglichen.

Kommunikation auf Aaugenhöhe

Die Evaluationen, die wir in allen Fällen unterschiedlich aufwendig gestalteten, zeigten ausnahmslos eine Zunahme von Kontaktaufbau, Informationsfluss und intensivierter Zusammenarbeit. Immer, wenn das Thema unter den Nägeln brannte und die Kontakte schrittweise aufgebaut wurden, bewirkte es hohes Interesse, freiwillige Beteiligung und Engagement. Die Synergie, die entstand, wirkte sich sowohl während der Gemeinsinn-Werkstatt unter den Beteiligten als auch darüber hinaus positiv aus.

Die größte Herausforderung war die hohe Eigenständigkeit bei der Auswahl und Gestaltung von eigenen Interessen und Vorhaben. Da keine Referenten eingeladen werden, sondern alle Beteiligten als »Experten für das gemeinsame Anliegen« angesehen werden, kommt es zu ungeahnten Erfahrungen bei der »Kommunikation auf Augenhöhe«. Der Rektor unterhielt sich angeregt mit seinen Studenten, der Bürgermeister konnte von einer Migrantin ganz ungeschminkt von ihrer Situation in der gemeinsamen Stadt erfahren, die Jugendvertreterin organisierte mit dem Bildungsreferenten ein Seminarprogramm...

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