Gemeinsinn-Werkstatt. Beteiligungsprozess übers Reden hinaus! 1 (3)

Wodurch entsteht die Motivation zu freiwilligem Engagement? Eine Motivation, die nicht von außen gesteuert ist, dennoch andere zu begeistern vermag, häufig genug Frustration erfährt und trotzdem zu faszinierenden Ergebnissen führen kann?
Im Projekt Gemeinsinn nennen wir sie die »Mag – Kann – Will – Motivation« (kurz: intrinsische Motivation), die von der »Darf – Muss – Soll – Motivation« bereits anhand der sechs deutschen Modalverben unterschieden werden kann. Das »Mögen« (Bedürfnis/Anliegen) fokussiert eher die Gegenwart, das »Können« (Fähigkeit/Ressourcen) die Vergangenheit und das »Wollen« (Vision/Perspektiven) die Zukunft. Beteiligung und Vernetzung nach diesen intrinsischen Mo(tiva)toren auszurichten ist Ziel der »Gemeinsinn-Werkstatt«.

Dabei stellt unsere Definition von »Gemeinsinn« sowohl das »Ich« als auch die natürliche Balance zwischen Individuum und Gemeinschaft in den Mittelpunkt. Das »Ich« ist bei der Realisierung vieler Motive auf den Austausch mit anderen angewiesen und so entsteht die Suche nach gemeinsamen Mo(tiva)toren. Um diesen Aushandlungsprozess konstruktiv, integrativ und nachhaltig zu gestalten, braucht es soziales Bewusstsein, soziale Fähigkeiten und soziales Engagement, die in der Regel bei jeder und jedem zur Fülle da sind. Wir müssen ihnen nur Raum zur Entwicklung, zum Austausch und zur Umsetzung geben.
Wenn das so einfach ist, warum ist dann Gemeinsinn nicht weiter verbreitet?
Die Forschung zeigt, dass sich die Formen des freiwilligen Engagements verändert haben. Die moderne Gesellschaft fordert viel mehr Eigenverantwortung, Flexibilität und Zusammenarbeit zwischen unterschiedlichen Kulturen, Disziplinen, Alters- und Interessengruppen. Kein Wunder, dass dies dann auch von Initiativen erwartet wird, die zur freiwilligen Mitarbeit einladen. Klassische Ehrenämter mit scheinbar lebenslanger Verpflichtung haben es da schwerer als Initiativen, die bedürfnisorientierte Angebote mit überschaubaren Rahmenbedingungen machen.
Dadurch trifft also die große Bereitschaft zu freiwilligem Engagement – so die Forschung – auf wenige adäquate Angebote, und das will das Projekt »Gemeinsinn« verändern. Auf Initiative der Bertelsmann-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Centrum für angewandte Politikforschung wird seit 2000 nach passenden Verfahren gesucht, die Gemeinsinn, Gemeinschaftsfähigkeit und Beteiligung methodisch zu entwickeln helfen.
»Gemeinsinn-Werkstatt« nennen wir ein Projekt-Verfahren, das sich über einen längeren Zeitraum (sechs Monate bis zu zwei oder drei Jahre) erstrecken kann, um ein gemeinsames Anliegen zu bearbeiten. »Bearbeiten« wird hier wörtlich genommen; es geht nämlich um die Umsetzung von geplanten Aktionen innerhalb der Gemeinsinn-Werkstatt als sozialem, regionalem und zeitlichem Rahmen. Entscheidend ist das Engagement all jener, die als Interessengemeinschaft den Prozess verantwortlich gestalten wollen.
Sie können dabei auf die professionelle Hilfe des Gemeinsinn-Begleit-Netzwerks zurückgreifen, das die Initiatoren beraten, methodisch und technisch unterstützen kann. Die benötigten Arbeitsschritte (Verfahren) sind aus der Best-Practice internationaler Beratungs-, Moderations- und Projektmanagement-Methoden abgeleitet und weiterentwickelt worden. Sie alle können Motivation, Beteiligung und Vernetzung anregen und bei der Umsetzung begleiten.
Ein natürliches Phasenmodell, das dem Gesamtprojekt und jeder Einzelphase zu Grunde liegt, ermöglicht die Gestaltung einfacher wie komplexer Prozesse. Unterschieden nach Gruppengröße und Rahmenbedingungen, helfen die verwendeten Methoden dabei, sich selbst zu öffnen, sich mit anderen auszutauschen und gemeinsam auf wesentliches zu konzentrieren: Aktivierung, Realisierung, Integration! Am Ende des Prozesses wird mit »Integration« das ausgedrückt, was vielfach im hektischen Alltag zu kurz kommt: reflektieren, ernten, feiern und sich entspannen.




