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Das Planspiel und das Handlungsspiel oder: Wie gesellschaftliches Lernen zur Lust wird… 1 (3)

Visuelles Protokoll (Copyright Reinhard Kuchenmüller): Drei Männchen fliehen vor einem riesigen Löwen

Das Planspiel

Spiele und Leben bilden eine Einheit –
magisch ineinander verwoben.
Die Spiele nehmen die kräftige Farbe der Wirklichkeit an,
die Wirklichkeit hat den schillernden Zauber der Phantasie
.
(Klaus Mann)

Wer eine politische Aktion vorbereitet, hat als »Kapital« die eigenen Beweggründe, Verbündete und die gemeinsamen Stärken. Das ist immer nur die eine Seite. Die andere Seite ist das gesellschaftspolitische Umfeld, in der die Aktion geschehen soll. Und dieses Umfeld ist komplex, weit komplexer jedenfalls als »Bewegte« wahrzunehmen in der Lage sind. Schon vor der Aktion können wenigstens einige Aspekte dieser Komplexität bewusst gemacht und eingeschätzt werden, indem die Situation gespielt wird. Planspiel, manchenorts auch Simulation, wird diese Vorbereitungsmethode genannt.

Das Planspiel ist auf der emotionalen Ebene packend und lustvoll. Es eröffnet Einsichten in Zusammenhänge, erweitert die bewusste Wahrnehmung und regt zur Reflexion des eigenen Tuns an. Es »öffnet« also den Spielenden die »Augen«, bezüglich der eigenen Wahrnehmung des Problems, der damit verbundenen Zusammenhänge und auch des persönlichen Verhaltens. Mit dem Planspiel können Antworten auf zwei unterschiedliche Fragen gesucht werden:

  • Welche Kräfte wirken in dem gesellschaftspolitischen Feld, in dem ich tätig werden will? Und wie verhalte ich mich zweckmäßig, um meine Ziele zu erreichen?
  • Wie läuft das eigentlich ab? Warum kommen keine Reformen (Veränderungen, Beschlüsse) zu Stande? Wer oder was blockiert, treibt an, verhindert, vernetzt?

Beispiel einer Situation

  • Der örtliche Verkehrsverein will zusammen mit dem Seilbahnunternehmen einen neuen Skilift bauen.
  • Dagegen entsteht eine Opposition aus Anwohnern der Zufahrtsstraße, der örtlichen Sektion des »BUND«,
  • dem Verein »Weitblick in der Schulpolitik«, dem Kulturverein und der grünen Kreispartei.
  • Die Opposition findet zusammen und beschließt, gemeinsam gegen das Skiliftprojekt zu kämpfen.

Im Beispiel könnte nun die Opposition sofort mit einer Eingabe an den Gemeinderat beginnen. Sie könnte sich aber auch einige Fragen stellen: Welche Interessen haben die Befürworter? Welche »Machtmittel« haben sie und wie werden sie sie einsetzen? Wer entscheidet schließlich und wie kann dieser Entscheid beeinflusst werden? Welche Motivationen haben die Oppositionsgruppen? Welche Einflussmöglichkeiten? Wie gehen wir vor, um unser Ziel zu erreichen? Die Opposition könnte also die Eingabe abschicken, könnte aber auch mit einem Planspiel diese Fragen klären. Sie versucht, spielerisch eine mögliche Wirklichkeit zu simulieren. Nun wird in jedem Planspiel die Wirklichkeit ebenfalls reduziert, eben auf das spielerisch Machbare, trotzdem wird eine grundlegend andere Qualität der Komplexität erreicht.

Beispiel der Spielsituation

Alle wichtigen Interessengruppierungen und Beteiligten werden aufgelistet: Einerseits der Hotelierverein, der Gemeinderat, die Handwerker-Innung, die Mehrheitspartei, andererseits die Oppositionsgruppierungen. Der Gegenstand des Konflikts wird formuliert.

Die Interessengruppen und der Gegenstand des Konflikts sind bekannt. Nun werden kurze und möglichst offene Beschreibungen der Interessengruppen formuliert, eine Spielleitung bestimmt, die Informationswege festgelegt (Briefe, Telefon, Lokalzeitung, Aushang der Gemeinde und/oder von beteiligten Gruppierungen, Plakate usw.) und Räumlichkeiten reserviert. Unser Beispiel benötigt entweder einen großen Saal oder mehrere Räume (einen für jede Interessengruppe). Das Spiel dürfte etwa vier bis sechs Stunden dauern. Daran schließt sich die Auswertung an.

Beispiel des Spielablaufs

Das Spiel findet am Samstag in der Werkhalle der örtlichen Möbelfabrik statt. Für jede Interessengruppe ist eine Ecke ausgewählt und mit Tisch und Bänken versehen worden. Rund 40 Mitspieler/innen haben sich eingefunden. Je drei bis sechs bilden eine der vorgesehenen Interessengruppen (per Los bestimmt). Sie haben eine halbe Stunde Zeit, »sich zu finden» und ihr Vorgehen zu besprechen. Die Gruppen werden gebeten, eine Art Protokollbuch über ihre Diskussionen und Aktionen zu führen (jeweils mit genauer Zeitangabe). Die Spielleitung ist zugleich die Redaktion der Lokalzeitung. Sie kann so durch gezielte Informationen den Gang des Spiels beeinflussen. Alle »Telefonanrufe» und »Briefe» gehen ebenfalls über die Spielleitung. Zu diesem Zweck hat jede Gruppe entsprechende Formulare erhalten. Die Spielleitung kann so den Ablauf des Spiels verfolgen und dokumentieren. 

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