Mediation 2 (5)
Als Mindestspielregeln haben sich bewährt:
- Die Teilnahme erfolgt freiwillig.
- Die persönliche Integrität und die Wertvorstellungen der Teilnehmer werden respektiert. Persönliche Angriffe werden nicht toleriert.
- Jeder bemüht sich, die andere Seite ausreden zu lassen und währenddessen aufmerksam zuzuhören.
- Entscheidungen werden nur von den Konfliktparteien selbst und eigenverantwortlich getroffen.
- Die Vertraulichkeit aller Äußerungen in den Sitzungen wird gewahrt.
- Die MediatorInnen verhalten sich bezüglich des Problems neutral.
Darüber hinaus kann es – abhängig von der Größe und vom Thema des Verfahrens – noch zusätzliche Regeln geben, die den Umgang mit der Presse regeln, den Umgang mit Tonaufzeichnungen, Protokollführung, Rückbindung zu entsendenden Gruppen usw.
»Gute« Verhandlungen
Die Mediatoren sollen durch ihre Tätigkeit eine »gute« Verhandlung zwischen den Konfliktparteien ermöglichen. Diese sollte sich an drei Kriterien messen lassen: Sie sollte zu einer klugen, effizienten und gütlichen Einigung führen:
- Eine »kluge« oder »vernünftige« Übereinkunft ist erzielt, wenn sie die legitimen Interessen jeder Seite in höchstmöglichem Masse erfüllt, gerecht und von Dauer ist sowie die Interessen der Allgemeinheit berücksichtigt.
- Eine »effiziente« Übereinkunft ist erzielt, wenn sie ein günstiges Verhältnis von Aufwand und Ertrag aufweist bzw. zu preiswerten Lösungen führt.
- Eine »gütliche« Übereinkunft ist erzielt, wenn sich die Beziehungen zwischen den Parteien verbessern, zumindest nicht verschlechtern.
Eine Suche nach dem »Kompromiss in der Mitte« oder ein Feilschen um Positionen, wie auf einem Basar, verfehlt diese Grundkriterien.
Wie läuft eine Mediation ab?
Mediationsverfahren folgen einer bewährten Struktur, die dazu beitragen soll, das Verfahren transparent und für alle Beteiligten nachvollziehbar zu machen. Der Mediator trägt die Verantwortung für die Einhaltung dieser Struktur. Grundsätzlich können folgende Phasen oder Arbeitsschritte unterschieden werden:
1. Vorbereitungsphase
- Auffinden eines Mediators und Klärung von Vertragsformalien
- Konsensuales Herausfinden der Verfahrensbeteiligten auf Grund von Betroffenheiten und Potenzialen zum Lösungsbeitrag
- Klärung der Willigkeit der Beteiligten bezüglich der Teilnahme an einem Mediationsverfahren
- Einarbeiten des Mediators in den Konflikt (Erstellung einer Problem- oder Konfliktanalyse aus der Positionen, Präferenzen und Interessen für alle Beteiligten transparent werden)
- Aufklärung der Verfahrensbeteiligten über Mediationsverfahren und »Spielregeln«
- Klärung der Rolle des Mediators
- Sicherstellen des Zugangs zu allen Informationsquellen für alle Verfahrensbeteiligte (Motto: »für gleich lange Spieße sorgen«)
- Sicherstellen der notwendigen Fachkompetenz (intern durch Verfahrensbeteiligte, extern ggf. durch Experten, Gutachter, Berater etc.)
- Klärung von Gestaltungsräumen für einen Interessenausgleich
- Zustimmung (ggf. schriftlich) aller Beteiligten zu dem Verfahrensmodell (Motto: »Wer nicht dahinter steht, macht nicht mit«)
- Klärung des Umgangs mit den späteren Ergebnissen. Wer dokumentiert? Wer legt wem was vor? Wie öffentlich sind die Ergebnisse? Qualität und Bindung der Ergebnisse (bei Umweltmediationen sind häufig »nur« Empfehlungen möglich), Verhältnis zur Politik klären (Motto: »Gegen gute Argumente gibt es keine politischen Entscheidungen«, d.h. ein Mediationsergebnis wird nur mit offen gelegten, besseren Argumenten verändert oder abgelehnt).

2. Durchführungsphase
- Gemeinsame Erstellung einer Themensammlung, über die gesprochen werden soll, und Verständigung über die Reihenfolge
- Verständigung über zu erreichende Ziele und Kriterien der Zielerreichung (das ist nicht die inhaltliche Lösung, sondern ergibt die Messlatte, an der Lösungsalternativen später beurteilt werden können)
- Herausarbeiten der Konfliktpunkte und Verständigung darüber (Konsens über den Dissens)
- Erhebung und Wahrnehmung der zu Grunde liegenden Interessen (von Positionen zu Interessen kommen; Konflikterhellung/Konfliktvertiefung)
- Auslotung von Handlungsspielräumen und Entscheidungsmöglichkeiten zum beiderseitigen Vorteil (win-win-Situation), kreative Ideen- und Lösungssuche, Bewertung der Lösungsoptionen.



