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Konsensuskonferenz 2 (2)

Öffentliche Ergebnispräsentation zum Abschluss

Das Schlussdokument wird am dritten Tag im Plenum präsentiert. Die vorher angehörten Sachverständigen dürfen danach eventuelle sachliche Fehler oder Missverständnisse in dem Dokument korrigieren, aber nicht mehr inhaltlich Einfluss nehmen. Das Dokument wird von den Teilnehmenden sodann Presse und Öffentlichkeit präsentiert. Alle Teilnehmer sowie die Mitglieder des dänischen Parlamentes erhalten ein Exemplar. Mitveröffentlicht werden die Namen der Teilnehmer und sonstigen Mitwirkenden, eine kurze Darstellung der Methode sowie die schriftlichen Diskussionsbeiträge der Sachverständigen.

Themen der Konsensuskonferenzen in Dänemark

1987

Gentechnologie in Industrie und Landwirtschaft

1988

Bürger und gefährliche Produktion

1989

Bestrahlung von Lebensmitteln

1989

Nutzung der Erkenntnisse über menschliche Gene

1990

Priorisierung von Maßnahmen zur Luftverbesserung

1992

Retortentiere - Eingriffe in das Erbgut höherer Lebewesen

1993

Zukunft des Automobilverkehrs

1993

Behandlung von Unfruchtbarkeit

1994

Elektronische Identitätskarte als Bürgerkarte

1994

Auf dem Weg zum intelligenten Verkehr (Informationssysteme)

1994

Integrierte Landwirtschaftsproduktion

1995

Chemische Stoffe in Lebensmitteln und Umwelt

1995

Möglichkeiten und Grenzen der Gentherapie

1996

Konsum und Umweltschutz

1996

Die Zukunft der Fischerei

1997

Telearbeit

1999

Gentechnisch veränderte Lebensmittel

2000

Lärmbelästigung und Technik

2000

Elektronische Überwachung

2001

Verkehrsmauten

2002

Gentests

15 Anwendungsfälle

Zwischen 1987 und 1997 hat die dänische Technologiebehörde 15 solcher nationalen Konsensuskonferenzen organisiert, die zum Teil auf große Resonanz in der dänischen Öffentlichkeit gestoßen sind und politische Entscheidungen nachweislich beeinflusst haben. Themen waren z.B. Gentechnologie, Behandlung von Unfrucht­barkeit, Computergestützte Verkehrstechnologien oder Telearbeit.
Immer wieder bestätigte sich ähnlich den Planungszellen bei uns, dass Laien sehr wohl in der Lage sind, sich in kürzester Zeit auch in hochkomplizierte Zusammenhänge einzuarbeiten und qualifiziert dazu Stellung zu nehmen. Das dänische Beispiel hat Schule gemacht. Nach praktisch identischem Vorgehen wurden inzwischen auch Konsensuskonferenzen von Technologiebehörden in den Niederlanden und in Großbritannien durchgeführt.
Auf die Nähe zwischen Konsensuskonferenz und Planungszelle wurde mehrfach verwiesen. Aber es gibt auch erhebliche Unterschiede. Meines Erachtens ist die Auswahl der Teilnehmer ein Manko der Konsensuskonferenz, weil sie stärker als die Planungszelle die Rekrutierung ohnehin schon Interessierter und Sozialaktiver begünstigt. Dies wird dadurch verstärkt, dass die Konsensuskonferenzen Wochenendfreizeit - mit den Vorbereitungstagungen insgesamt 3 Wochenenden - in Anspruch nehmen und Kompensation für berufliche Freistellung nur in Ausnahmefällen vorgesehen ist.

Gruppenarbeit in der Konsensuskonferenz

Auch die Konzentration auf bloß eine Gruppe mit 10 bis 14 Teilnehmern birgt Risiken, da potenzielle Verzerrungen durch Meinungsführerschaften und Gruppendruck weniger gut ausgeglichen werden können als beim identischen Lauf mehrerer Gruppen, wie er bei den Planungszellen üblich ist.
Umgekehrt hat diese Singularität aber auch bemerkenswerte Vorzüge. Abgesehen davon, dass sie die gesamte Organisation und speziell den Einsatz und die Gewinnung der Sachverständigen erleichtert, erhöht die dadurch mögliche zeitnahe Präsentation des »Laien-Urteils«, nämlich unmittelbar im Anschluss, das öffentliche Interesse an den mit Spannung erwarteten Ergebnissen, wie die dänischen Erfahrungen zeigen. Auf die aus größeren Planungszellen-Projekten entstehenden Bürgergutachten müssen dagegen Öffentlichkeit und Beteiligte zumeist mehrere Monate warten, weil erst einmal der zeitlich letzte Lauf abgewartet werden muss. Danach ist eine immense Datenflut auszuwerten, und die Ergebnisse müssen zwischen den Gruppen noch einmal in Abstimmung gebracht werden.
Bemerkenswert ist auch, dass die dänischen Laien ihre Voten selber formulieren und die Ergebnisse nicht nachträglich von einem externen Team ausformuliert werden. Der Vorteil der Authentizität muss hier aber mit dem hohen Zeitverlust beim Ringen um schriftliche Formulierungen und der Gefahr, dass dabei weniger schriftgewandte Teilnehmer zusätzlich ins Hintertreffen geraten könnten, abgewogen werden.

literaturtipp

Johs Grundahl: «The Danish consensus conference model«, sowie
Lars Klüver: «Consensus conferences at the Danish Board of Techno­logy«; beides in: Public participation in science. The role of consensus conferences in Europe. Edited by Simon Joss and John Du­rant. Science Museum London 1995.

Simon Joss: Die Konsensuskonferenz in Theorie und Anwendung. Akademie für Technikfolgenabschätzung Baden-Württemberg 2000.

Teknologi-Rådet: »Ti år med teknologinävnet« (1995) sowie årsberetning 1996.

autor

Dr. Adrian Reinert
Stiftung MITARBEIT
Bornheimer Str. 37
D-53111 Bonn
Telefon: (02 28) 6 04 24 10
Internet: www.mitarbeit.de

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