Kinder- und Jugendbeteiligung
Die Bereitschaft zur politischen Teilhabe braucht nicht erst im Erwachsenenalter geweckt zu werden. Viele Kinder und Jugendliche möchten mitreden können, wenn es um ihre Belange geht. Gelegenheiten dafür zu schaffen, bedeutet eine Chance für alle: Kinder und Jugendliche lernen demokratische Abläufe und Verhaltensweisen kennen und erwerben soziale Kompetenzen. Politisch verantwortliche Erwachsene erfahren mehr über die Bedürfnisse und Interessen der jungen Mitbürger/innen und können ihre Entscheidungen besser danach ausrichten.
Der Vielzahl von Studien zur Kinder- und Jugendbeteiligung liegen unterschiedliche Begriffe und Begründungslinien von »Partizipation« zugrunde. Die damit verbundenen Diskussionslinien offenbaren gesellschaftliche Vorstellungen und Bilder über Kinder und Jugendliche, setzen an Investitionen in Kinder zur Sicherung des Sozialstaates an oder orientieren sich an der Diskussion um das bürgerschaftliche Engagement von Kindern und Jugendlichen. Die empirische Auseinandersetzung mit dieser Bandbreite in der Partizipationsdebatte hat ein Team aus dem Deutschen Jugendinstitut für eine Publikation im Wochenschauverlag zusammengetragen. In einem einleitenden Artikel (PDF) decken Tanja Betz, Wolfgang Gaiser und Liane Pluto die diversen Diskussionsstränge und Argumentationslinien auf. Darüberhinaus werden die verwendeten Studien in ihrem Ansatz und den wesentlichen Ergebnissen knapp skizziert.

Tanja Betz / Wolfgang Gaiser / Liane Pluto: »Partizipation von Kindern und Jugendlichen. Diskussionsstränge, Argumentationslinien, Perspektiven« - Mehr Informationen und Bestellung online
Jugendliche beurteilen das vorherrschende politische System zunehmend kritischer, das zeigen die Ergebnisse von EUYOUPART. Als soziale und politische Ausdrucksform gewinnt der politische Protest unter den Jugendlichen an Bedeutung. Angesichts des zunehmend schwindenden Vertrauens in politische Parteien halten Jugendliche daher eher die Mitarbeit in NGOs für wirkungsvoll. Zu diesem Schluß kommt eine Studie von EUYOUPART.
»mitwirkung!« , eine Initiative der Bertelsmann Stiftung zur Stärkung der Kinder- und Jugendbeteiligung, hat eine Untersuchung zum Partizipationsverhalten von Kindern und Jugendlichen in Deutschland durchgeführt. Die Studie zeigt fünf Handlungsfelder zur Stärkung des Mitwirkungsbereitschaft auf. Dazu wurden Schülerinnen und Schüler im Alter von 12 bis 18 Jahren wurden zu ihren Mitwirkungsmöglichkeiten und politischen Einstellungen befragt.
Darüber hinaus wurde in 564 Städten und Gemeinden eine Basiserhebung zu kommunalen Strukturdaten und zum Entwicklungsstand der Kinder- und Jugendpartizipation durchgeführt.
Die Erfahrung zeigt, dass für Erwachsene entwickelte Beteiligungsmodelle nicht ohne weiteres auf die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen übertragbar sind. Es bedarf alters- und interessenmäßig angepasster Mitwirkungsmöglichkeiten.
Kinder und Jugendliche haben beispielsweise ein ganz anderes Zeitgefühl als Erwachsene. Sie erwarten kurzfristige und schnelle Lösungen für ihre Anliegen und Probleme. Dies ist sowohl bei der Dauer von Planungsprozessen als auch für die Phase zwischen Planungen und ihrer Umsetzung zu berücksichtigen. Wenn trotz aller Bemühungen gemeinsam entwickelte Vorstellungen nicht kurzfristig realisiert werden können, müssen die Gründe dafür einsehbar und verständlich gemacht werden.
Ebenso sind stundenlange Sitzungsroutinen mit ellenlangen Tagesordnungen, überflüssige Redebeiträge – nach dem Motto: Alles ist schon gesagt, aber noch nicht von allen – und ohne irgendwelche Freiräume ein Horror. Kinder und junge Menschen wünschen lebendige Formen, die auch Spaß machen und bei denen etwas rauskommt – Wünsche, die durchaus bei den meisten Erwachsenen auf Gegenliebe stoßen dürften.
Genauso wie Erwachsene wollen Kinder und Jugendliche ernst genommen werden. Bei Angeboten zur Kinder- und Jugendbeteiligung darf es sich nicht bloß um pädagogische »Spielwiesen« handeln. Es geht um reale Entscheidungsprozesse und nicht um deren Simulation.
Besondere Aufmerksamkeit muss auch in der Kinder- und Jugendbeteiligung ihrer sozialen Ausgewogenheit gelten. Die eingesetzten Beteiligungsverfahren sind deshalb ebenso darauf zu überprüfen, ob sie wirklich alle Zielgruppen, d.h. auch benachteiligte Kinder- und Jugendliche erreichen, und ggf. entsprechend zu erweitern oder zu modifizieren sind.
Gastbeiträge in:
- »Im Fokus: Jugend, Politik und Engagement«, 11/2011 (10.06.2011)
- »Im Fokus: Beteiligung Kindern und Jugendlichen in der Stadt«, 23/2010 (26.11.2010)
- Partizipation von Kindern und Jugendlichen. In: »Im Fokus: Studien zu Partizipation«, 20/2010 (15.10.2010)
- »Im Fokus: Jugendbeteiligung im ländlichen Raum« 13/2009 (03.07.2009)
Ansätze zu Partizipation und »Demokratie lernen« im Lebensraum Schule sind im Kapitel Demokratieförderung beschrieben.



