Grundlagen erfolgreicher Vernetzung 1 (2)
Informell, aber verbindlich
»Netzwerke sind in der Regel informelle Sozialformen, in denen sich die unterschiedlichsten Gruppen, Einrichtungen und Personen zueinander in Beziehung setzen können, ohne ihre jeweilige Eigenständigkeit aufgeben zu müssen. Sie sind deshalb besonders geeignet für Formen der Zusammenarbeit, die über traditionelle bürokratische, politische oder kulturelle Grenzen hinausgehen. Sie beruhen auf der Bereitschaft ihrer Mitglieder, sich bei Bedarf die jeweiligen Fähigkeiten und Kenntnisse gegenseitig zur Verfügung zu stellen.«
Birkhölzer, Karl: Lokale Ökonomie. In: Flieger/Nicholaisen/Schwendter (Hrsg.), Gemeinsam mehr erreichen. Kooperation und Vernetzung alternativ-ökonomischer Betriebe und Projekte. AG SPAK/Stiftung MITARBEIT, Bonn 1995
Besser als der Berliner Ökonom Karl Birkhölzer kann man kaum auf den Punkt bringen, was Netzwerke sind. Der Begriff hat Konjunktur und taucht in den unterschiedlichsten Zusammenhängen auf. Er begegnet uns z.B. in Selbsthilfe-Netzwerken, Städte-Netzwerken, Netzwerk-Gesellschaft und dem »Netzwerk Erde«. Mit dem Begriff sind fast immer positive Assoziationen verbunden.
Netzwerke entsprechen offenbar in besonderer Weise modernen Organisationserfordernissen. In unserer hochdifferenzierten Gesellschaft, die sich ständig und immer schneller verändert, erscheint es weniger sinnvoll, sich auf starre, organisatorische Großstrukturen festzulegen. Effizienter erscheint es für die Gruppen und Einzelpersonen, sich nur lose zu binden und von Fall zu Fall das am besten passende Netzwerk zu wählen. Der Amerikaner Mark Granovetter spricht von der »strength of the weak ties«, der Stärke schwacher Bindungen.
Granovetter, Mark: The Strength of Weak Ties. In: American Journal of Sociology. Vol 78, 1973, S. 1360 - 1380
Bi- und multidirektional
Vernetzung kann grundsätzlich bi- oder multidirektional erfolgen (vgl. Abbildungen). Beide Formen kommen in der Bürgergesellschaft vor. Im ersten Fall sucht sich eine Organisation, die in unterschiedlichen Themenbereichen tätig ist, jeweils spezifische Partner, mit denen sie ein Ziel in dem Handlungsfeld gemeinsam anstreben will. Die Wahl der Partner-Organisationen erfolgt dabei ganz unabhängig davon, ob diese ihrerseits untereinander vernetzt sind.
Der zweite Fall, die multidirektionale Vernetzung, wirkt auf den ersten Blick etwas chaotisch, bedeutet aber, daß alle Beteiligten eines Netzwerks gleichberechtigt miteinander in Kontakt und Verbindung stehen. In den meisten der vorgestellten Netzwerke der Bürgergesellschaft dürfte dies der Fall sein, wobei die Intensität der Beziehungen zwischen den einzelnen Gruppen sicherlich variieren kann.
Die bidirektionale Beziehung muß dazu gar nicht im Widerspruch stehen. Sie kann vielmehr die Sichtweise einer einzelnen Organisation sein, die verschiedenen multidirektionalen Netzwerken angehört.


Walk, Heike / Brunnengräber, Achim: NGO-Netzwerke. Strukturen, Aufgaben, Funktionsbedingungen und Handlungsräume, In: Barfuss auf diplomatischem Parkett. Die Nichtregierungsorganisationen in der Weltpolitik, Loccumer Protokolle 9/97, 1998


