Zur Begriffsvielfalt 1 (1)
Ehrenamt, Freiwilligenarbeit, bürgerschaftliches Engagement – oft werden diese Begriffe synonym genutzt. Ebenso wird - fast beliebig - von Ehrenamtlichen, Engagierten, Freiwilligen, Aktiven gesprochen.
Die Begriffe stehen aber zum einen für diverse Traditionen, in der sie entstanden sind, oder für einen unterschiedlichen Kontext und Blickwinkel, in dem sie benutzt werden.
Ehrenamt
Das Ehrenamt hat in Deutschland eine lange Tradition. Geraume Zeit bezeichnete dieser Begriff die unentgeltliche Tätigkeit von Ehrenmännern und –frauen, die als ausgewählte Honorationen eine öffentliche Aufgabe übertragen bekamen. So wurde beispielsweise im 19. Jahrhundert in Elberfeld die öffentliche Armenpflege zur ehrenamtlichen Aufgabe einiger Bürger. Aufbauend auf dieser Tradition hat sich der Begriff vor allem im sozial-caritativen Bereich gehalten.
Heute wird der Begriff Ehrenamt in erster Linie dann verwendet, wenn er ein echtes Amt und eine Funktion bezeichnet, wie beispielsweise in einem Vorstand, einem Gremium oder einem Verband. Dazu zählen aber auch im Auftrag von Bund, Ländern oder Gemeinden neben dem Beruf wahrgenommen Tätigkeiten wie Beauftragte, Beiräte etc.
Freiwilliges Engagement
Freiwilliges Engagement oder Freiwilligenarbeit gilt oft als der modernere Begriff und bezeichnet das unentgeltliche, gemeinwohlbezogene Engagement in selbstorganisierten Initiativen, Aktionsgruppen, Projekten. Die Art des Engagements kann sehr vielfältig sein: von anspruchsvollen Leitungstätigkeiten bis zum einfachen Mitmachen ist alles möglich.
Bürgerschaftliches Engagement
Bürgerschaftliches Engagement als weiterer Begriff wurde geprägt in dem Verständnis einer aktiven Bürgergesellschaft, in der die freiwillig engagierten Bürgerinnen und Bürger aktiv die Gesellschaft, dem Staat und die Politik mitgestalten. Im Jahr 2002 nannte die Enquetekommission des Deutschen Bundestages »Zur Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements« folgende Leitlinien:
Der Begriff des bürgerschaftlichen Engagements hat sich in der Alltagssprache nicht durchgesetzt. Er wird aber häufig in der Fachliteratur und auch als Oberbegriff für die vielfältigen Engagementformen verwendet.
Bürgerschaftliches Engagement ist:
- freiwillig,
- nicht auf materiellen Gewinn gerichtet,
- gemeinwohlorientiert,
- öffentlich bzw. findet im öffentlichen Raum statt und
- wird in der Regel gemeinschaftlich bzw. kooperativ ausgeübt.
Bürgerschaftliches Engagement erzeugt soziales Kapital, demokratische Kompetenz und informelle Lernprozesse.
In diesem Verständnis umfasst das bürgerschaftliche Engagement ein breites Spektrum:
- Mitgliedschaft und Mitarbeit in Vereinen, Verbänden, Gewerkschaften
- Mitarbeit in gemeinwohlorientierten Einrichtungen
- Direkt-demokratische Bürgerbeteiligung
- Beteiligung an Protestaktionen im Rahmen von Bürgerinitiativen und sozialen Bewegungen
- finanzielles Engagement in Form von Spenden und Stiftungen
Quellen:
Enquete-Kommission »Zukunft des Bürgerschaftlichen Engagements«: Bericht Bürgerschaftliches Engagement: Auf dem Weg in eine zukunftsfähige Bürgergesellschaft. 2002, S. 73 – 90
Annette Zimmer, Michael Vilain: Bürgerschaftliches Engagement heute. Münster 2005, S. 7 - 10



