Freiwillige in Organisationen 1 (3)
Freiwillige sind eine unschätzbar wertvolle Ressource für Organisationen. Sie müssen auch als solche behandelt werden und haben ein Recht auf eine sinnvolle Aufgabenstellung, gute Ansprache und Einführung, eine Struktur, die Lernen und Entwicklung fördert sowie Anerkennung ihrer Leistung auch bei kurzzeitigem Engagement bietet. Unterschiedlichen Motivationsmustern muss durch differenzierte Angebotsformen entsprochen werden.
Die Vielfalt der Motive und Möglichkeiten respektieren
Die Einstellung zum Engagement hat sich in den letzten Jahren sehr verändert. Viele Menschen wollen sich heute nicht mehr auf Dauer an Organisationen binden. Viele wollen ihr Engagement von vornherein zeitlich befristen und/oder in seinem Umfang begrenzen und werden von der Vorstellung abgeschreckt, von einer einmal übernommenen Aufgabe hinterher nicht mehr loszukommen oder keine Grenzen setzen zu können, nach dem Motto »Reicht man einmal den kleinen Finger, wird die ganze Hand genommen«.
Nicht alle Menschen wollen und können bedingungslose Altruisten sein, die sich für andere engagieren. Für viele gilt auch, etwas »für sich« zu tun: das Engagement bietet Freude, Kontakte, Möglichkeiten der Selbstverwirklichung und der aktiven Gestaltung in der Gesellschaft. Die Mehrheit wird sich daher besonders dann engagieren, wenn das Betätigungsfeld den eigenen persönlichen Neigungen und Interessen entspricht.
Abgestufte Mitmachmöglichkeiten
Unterschiedlichen Motivmustern kann durch differenzierte Angebotsformen entsprochen werden, wozu gerade auch zeitlich abgestufte Mitmachmöglichkeiten gehören.
Nicht jedes Ehrenamt ist teilbar, und in vielen Bereichen, z.B. im Pflege- und Betreuungsbereich, ist Kontinuität eine wichtige Bedingung. Dies trifft aber längst nicht auf alle Bereiche zu. Deshalb empfiehlt es sich, wo immer möglich, Angebote zu zeitlich befristeter oder zeitlich begrenzter Mitarbeit zu schaffen, die dann ggf. bei beiderseitigem Interesse später verlängert oder ausgedehnt werden kann.
Die Zukunft liegt in flexiblen Zeitmodellen, die einerseits den Anforderungen der Organisationen, andererseits aber den Wünschen der am Engagement Interessierten gerecht werden.
Ansprechen und einführen
Die Mehrzahl der heute Aktiven ist, wie Untersuchungen und Alltagserfahrungen zeigen, über persönliche Kontakte und persönliche Ansprache zum Engagement gekommen. Indirekt wird dies auch dadurch bestätigt, dass die Antwort »Mich hat niemand gefragt« nach »mangelnder Zeit« der am meisten genannte Grund für Nicht-Engagement ist.
Umso größere Bedeutung kommt der persönlichen Ansprache potenziell Interessierter zu. Sie setzt voraus, dass klar ist, für welche konkreten Aufgaben man eine/n Freiwillige/n gewinnen will und welche Erwartungen und Verpflichtungen damit verbunden sein sollen.
Dabei sind möglichst exakte, vor allem auch ehrliche Angaben über den voraussichtlichen Zeitaufwand, erforderliche Voraussetzungen und die Rahmenbedingungen ganz wichtig: Kostenerstattung? Versicherungsschutz? Fortbildung?
Je zielgerichteter die Ansprache erfolgt, desto geringer ist das Risiko beiderseitiger Enttäuschungen. Je klarer Einsatzbereiche, Bedarfe und Aufgaben definiert sind, desto eher können sich Interessierte Aufgaben nach ihren Bedürfnissen, Fähigkeiten und Interessen aussuchen. Beispielhaft ist die nachfolgende Stellenausschreibung einer Elterninitiative.
Wenn die Ansprache nicht persönlich, sondern z.B. via Stellenausschreibung, Inserat, Medien oder über andere unpersönliche Informationskanäle erfolgt, ist wichtig, dass eine Ansprechperson genannt wird, die z.B. zu verlässlichen Zeiten telefonische Anfragen entgegennimmt und beantwortet. Kaum etwas ist ärgerlicher, als auf eine Anfrage zu reagieren und dann zu erfahren, dass niemand sich zuständig fühlt oder Bescheid weiß.
In einem persönlichen Vorgespräch sollten Motivation, Interessen und Möglichkeiten miteinander geklärt werden. Dazu gehört auch, dass die Organisation oder Einrichtung ihre Erwartungen, z.B. zur Verlässlichkeit und Verbindlichkeit von Absprachen, zur Dauerhaftigkeit der Mitwirkung und Bereitschaft für Fortbildung und Qualifizierung, deutlich macht.
Kommt es dann zur Zusammenarbeit, ist eine gute Einführung wichtig, die neben sachlicher Information auch die persönliche Vorstellung der anderen Mitstreiter/innen enthält. Die neuen Freiwilligen müssen wissen, an wen sie sich bei Rückfragen und Problemen wenden können.

Gastbeiträge in »Im Fokus: Freiwilliges Engagement im Spannungsfeld zwischen Haupt- Ehrenamt«, 10/2010 (28.05.2010)



