Newsletter Nr. 6/2002 von www.wegweiser-buergergesellschaft.de
Inhalt
Volksentscheide auf Bundesebene
Die rot-grüne Koalition stellte vergangene Woche einen Gesetzentwurf zur
Einführung von Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid im Bund
vor. Der Entwurf soll noch in dieser Legislaturperiode verabschiedet
werden. Wegen des verfassungsändernden Charakters des Gesetzes ist eine
Zwei-Drittel-Mehrheit im Bundestag erforderlich und damit die Zustimmung
der CDU. Die Eckpunkte des Gesetzentwurfes:
1. Mit 400.000 Unterschriften kann eine Volksinitiative eingeleitet
werden. Damit wird der Bundestag verpflichtet, sich mit dem Anliegen der
Volksinitiative zu befassen.
2. Für die Einleitung eines Volksentscheids ist ein Volksbegehren
erforderlich, dass von 5 Prozent der Wahlberechtigten (ca. drei
Millionen) in acht Monaten unterzeichnet werden muss.
3. Für den abschliessenden Volksentscheid fordert Rot-Grün eine
Mindestbeteiligung von 20 Prozent der Wahlberechtigten. Bei
Verfassungsänderungen müssen sich mindestens 40 Prozent beteiligen und
Zweidrittel der Wähler zustimmen. Ausserdem muss bei Gesetzen, die die
Länder betreffen, eine Mehrheit der Bundesländer gemäss ihres
Stimmenanteils im Bundesrat erreicht werden.
4. Rot-Grün will bestimmte Themen vom Volksentscheid aus- schliessen:
U.a. die Todesstrafe, Steuern und Diäten. Das Bündnis "Menschen für
Volksabstimmung", dem 81 Verbände angehören, begrüsste den Vorstoss. "In
einigen Punkten - etwa in der ausdrücklichen Zulassung finanzwirksamer
Volksinitiativen - ist der Gesetzentwurf von SPD und Grünen erfreulich
bürgernah. An anderen Stellen macht die Koalition leider die gleichen
Fehler, die wir schon aus den Bundesländern kennen. So kommt pro
Bundesland nur alle 43 Jahre eine Volks- abstimmung zustande. Schuld
sind die hohen Hürden. Das ist für die Bürger frustrierend und darf sich
deshalb im Bund nicht wiederholen. Hier besteht noch Diskussionsbedarf",
so kommentiert "Mehr Demokratie" e.V. die neueste Entwicklung. Das
Bündnis "Menschen für Volksabstimmung" stellt umfassende Informationen
zur Verfügung: www.mehr-demokratie.de/bu/va/index.htm
Kampagne der Unter18jährigen: "Ich will wählen"
Am 10. März gaben Jugendliche in Berlin aus verschiedenen
Organisationen, Schülervertretungen und sonstigen Gruppierungen den
Start der bundesweiten Wahlrechtskampagne "Ich will wählen" bekannt. In
den nächsten Monaten bis zur Bundestagswahl können Unter18jährige in
ganz Deutschland eine Petition unterschreiben, die im September beim
Bundestag eingereicht werden soll. Bis dahin werden Unterschriften auf
Papier und im Internet gesammelt. In der Petition mit dem Titel "Ich
will wählen" werden die rechtlichen Voraussetzungen dafür gefordert,
dass jeder Unter18jährige an Wahlen und Abstimmungen teilnehmen kann.
Von einem Wahlrecht für Unter18jährige versprechen sich die
Organisatoren der Kampagne vor allem, dass die Interessen der
Unter18jährigen (insgesamt ca. 20% der Gesamtbevölkerung) angemessenere
Berücksichtigung in Politik und Gesellschaft finden.
Den Petitionstext, Informationen zur Kampagne, die Liste der
Unterstützenden und ihre Begründungen auf der Homepage:
www.ich-will-waehlen.de oder Tel.: 030-4479722.
Servicestelle Jugendbeteiligung
Apropos Jugendbeteiligung: Schauen Sie sich doch einmal die
Internetseite der "Servicestelle Jugendbeteiligung" an, Link:
www.servicestelle-jugendbeteiligung.de/index.html Im Untermenü
"Service" sind verschiedenste Angebote zu finden: - Eine Mailingliste
[Infopool] dient der schnellen Verbreitung von wichtigen und
interessanten Informationen von und für aktive Jugendliche. Jeder kann
sich in die Liste eintragen. - Diverse Links - u.a. zu allen
Schulgesetzen der einzelnen Bundesländer. - Eine Praktikumsdatenbank
www.infoservice-praktika.de richtet sich an Schüler und Studierende
(inbesondere der sozialpädagogischen und -wissenschaftlichen
Fachrichtungen) und bietet Praktika in Migrations- projekten,
antirassistischen Initiativen, Jugendinitiativen, -verbänden und
-projekten sowie Einrichtungen der Jugend- und Kulturarbeit und anderer
Träger demokratiefördernder Projekte in den (neuen) Bundesländern. - Der
Newsletter der Servicestelle Jugendbeteiligung - ein Newsletter mit
Infos für junge Leute, die selbst aktiv sind - oder werden wollen.
Bestellmöglichkeit: www.jugendbeteiligung.info/newsletter
Förderung von Aussiedlerprojekten
Im Rahmen des Projektes "Förderung des bürgerschaftlichen Engagements
bei Spätaussiedlern" stehen in begrenztem Umfang Fördermittel für die
Organisation von Veranstaltungen zu diesem Thema zur Verfügung. Im
Rahmen z.B. eines Ehrenamtstages für Aussiedler können sich regionale
Freiwilligenagenturen vorstellen, geben potentielle Einsatzstellen einen
Einblick in ihre Arbeit und werden Multiplikatoren (Presse, Stadt- und
Kreisverwaltungen) eingebunden. So könnten positive Beispiele des
Engagements von und für Aussiedler durch kommunale Repräsentanten
gewürdigt und durch eine Ehrung Anerkennung erfahren. Zielgruppe der
Veranstaltungen, Workshops oder Seminare sind sowohl Aussiedler als auch
Einheimische, die in Projekten für Aussiedler mitarbeiten. Für
Infomaterial, Referenten und Fahrtkosten können nach Einzel- nachweis
bis zu 1.000 Euro übernommen werden.
Formlose Angebote zur Zusammenarbeit mit einer kurzen Projektskizze
bitte an die Stiftung Bürger für Bürger, Singerstraße 109, 10179 Berlin,
Mail: info@buerger-fuer-buerger.de Ansprechpartner ist Projektleiter
Bernhard Schulz, Tel. 030 / 24 31 49-0, Fax 030 / 24 31 49-49.
Die Projektskizze sollte stichwortartig enthalten: - möglicher Termin, -
möglicher Veranstaltungsort, - geplante Kooperationspartner (z.B.
Freiwilligenagentur, Stadt- oder Kreisverwaltung, bestehende Projekte),
- erste inhaltliche Ideen (z.B. Projektpräsentationen, Ehrungen, Art der
Veranstaltung: Vortrag, Seminar, Workshop oder Podiumsdiskussion).
Aktuelle Förderprogramme der EU
Eine informative Seite hat der Deutsche Kulturrat zusammengestellt, in
der man sich über Förderprogramme der EU (nicht nur) zu Kultur und
Bildung informieren kann. Ausschreibungsunterlagen und Gesetzes- texte
können als pdf-Dateien heruntergeladen werden.
www.kulturrat.de/ccp/ccp-foerder.htm Auch wird die Abonnierung
eines Email - Rundbrief angeboten, der dann jeweils neue Ausschreibungen
kostenlos auf den Bildschirm bringt.
Publikation "Zukunft der Stadt - Stadt der Zukunft"
Die Ergebnisse der Hauptversammlung des Deutschen Städtetages zum Dialog
über Demokratie und Selbstverwaltung in den Städten liegen jetzt vor. In
der Publikation sind sämtliche Ansprachen, Vorträge und Reden der
teilnehmenden Politiker zu den Bereichen städtische Politik und
kommunale Selbstverwaltung zusammengefasst. Info:
www.staedtetag.de/10/veroeffentlichungen/schriften/index.html
(Zukunft der Stadt? - Stadt der Zukunft! Dokumentation der Haupt-
versammlung des Deutschen Städtetages 2001 in Leipzig / Heft 81 / 2001 /
144 S. / 17,00 EUR)
ATTAC Manifest 2002
Der französische Zweig der Attac-Bewegung hat Anfang des Jahres das
"Manifest 2002" vorgestellt. Unter dem Motto "Mit ATTAC die Zukunft
zurückerobern" wagen die Verfasser eine kühne Synthese der
Globalisierungskritik. Zukunft der Arbeit, Reform der öffentlichen
Dienstleistungen, Bildungs- und Steuerpolitik, Gesundheitswesen,
Rentensysteme usw. - das Manifest liest sich wie eine "oppositionelle"
Regierungserklärung des Attac-Zweiges. Die deutsche Übersetzung -
erstmals veröffentlicht in den Blättern für deutsche und internationale
Politik - ist jetzt auf der Homepage von Attac zu finden unter:
www.attac-netzwerk.de/archiv/manifest2002.php
Discussion Papers Wissenschaftszentrum Berlin
Die Forschungseinheiten des Wissenschaftszentrum Berlin (WZB) geben
Forschungsberichte heraus. Die Referate, so auch der Arbeitsgruppe
"Zivilgesellschaft - historisch-sozialwissenschaftliche Perspektiven",
sind im Internet aufgeführt unter:
www.wz-berlin.de/publikation/discussion_papers/liste_discussion_papers.de.htm
und auch in den meisten Fällen als pdf-Datei abrufbar. Von Geneviève
Hesse stammt das Paper "Erwerbslose Ehrenamtler: Botschafter einer
sinnvollen Arbeit oder Opfer der Erwerbsarbeitskrise?"
(skylla.wz-berlin.de/pdf/2001/p01-509.pdf) Die Publikation dieser
explorativen Studie ist eine Kooperation zwischen dem WZB und der
Heinrich-Böll- Stiftung. Die qualitativen Interviews mit Erwerbslosen
sind im Rahmen des Berliner Forschungsprojektes Initiativenverbund
Bürgerarbeit entstanden. Diese und andere "Discussion papers" (DIN
A4-Format) sind auch in gedruckter Form erhältlich bei der Pressestelle
gegen Einsendung einer 0,51-Euro-Briefmarke und eines
Adressenaufklebers: Pressestelle Wissenschaftszentrum Berlin für
Sozialforschung, Reichpietschufer 50, 10785 Berlin.




