Newsletter Nr. 3/2002 von www.wegweiser-buergergesellschaft.de, Nr. 3/2002
Inhalt
- entimon- und Civitas-Programm
- Weltsozialforum in Porto Alegre
- Website EU-Erweiterung
- Fallstudie zum Bürgerservice deutscher Abgeordneter
- Volksbegehrens-Bericht 2001
- Buchvorstellung: W. Dettling, Die Stadt und ihre Bürger
- Seminarankündigung: »Generationengerechtigkeit«
- Weiterbildung »Kurs ZukunftsPiloten«
- Seminar zur Kooperation sozialer Initiativen & Unternehmen
- Fortbildungsreihe Freiwilligenqualifikation
- Web Tipp: Politische Bildung und Lobby
entimon- und Civitas-Programm
Neue Bundessonderprogramme gegen Gewalt und Rechtsextremismus: Das mit 10 Mio EUR ausgestattete Programm »entimon – Gemeinsam gegen Gewalt und Rechtsextremismus« zielt auf die Förderung von Maßnahmen zur Stärkung von Demokratie und Toleranz und zur Prävention und Bekämpfung von Rechtsextremismus und Gewalt. Schwerpunkte sind u. a. Interkulturelles Lernen und Politische Bildungsarbeit. Deadline zur Antragstellung ist der 31. Januar. Das zweite Sonderprogramm »Civitas« – ebenfalls mit 10 Mio EUR angesetzt – dient der Stärkung der demokratischen Kultur und der Bekämpfung von Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus in den neuen Bundesländern. Anträge müssen bis zum 31. Januar bzw. 15. März gestellt werden. Nähere Informationen gibt es unter www.bmfsfj.de, www.jugendstiftung-civitas.org und www.entimon.de.
Weltsozialforum in Porto Alegre
Vom 31. Januar bis 5. Februar fand in Porto Alegre/Brasilien das zweite Weltsozialforum mit mehreren zehntausend TeilnehmerInnen statt. Entlang vier inhaltlicher Hauptlinien wurden alle relevanten Themen der globalisierungskritischen Bewegung diskutiert: – Produktion von Wohlstand, – Zugang zu den Wohlstand und Nachhaltigkeit, – Zivilgesellschaft und der öffentliche Sektor/Bereich, – Macht, Politik und Ethik. ReferentInnen, die nach Porto Allegre über das Weltsozialforum berichten, vermittelt die Attac-Veranstaltungs- koordination: Sven Giegold, Tel. 04231 / 957-590, Mail: giegold@attac.org Weitere Informationen zum Weltsozialforum unter: www.portoalegre2002.org , www.forumsocialmundial.org.br/eng/index.asp
Website EU-Erweiterung
Eine Herausforderung auch an die Zivilgesellschaften West-Europas: Die EU-Erweiterung. Wer über Zeitplan, Schritte und die Matrix der Forderungen aktuell auf dem Laufenden gehalten werden möchte, kann unter europa.eu.int/comm/enlargement/docs/newsletter/latest_weekly.htm entweder den wöchentlichen Newsletter der EU ansehen oder auch als Email abonnieren (in englischer Sprache).
Fallstudie zum Bürgerservice deutscher Abgeordneter
In welcher Form greifen die Parlamentarier Wünsche und Forderungen von Bürgern auf? Dieser Frage gingen die beiden Politologen Steffen H. Elsner und Karin Algasinger in einer wissenschaftlichen Fallstudie nach.
Ausgangspunkt ihrer Studie war ein von ihnen formulierter Brief an 108 sächsische und bayerische Parlamentarier. In dem Schreiben monierten sie »die unzureichenden Bahnverbindungen zwischen den alten und den neuen Bundesländern, insbesondere auf der Strecke Dresden-Passau-Dresden«.
Fazit ihrer Studie: »Der hohe Anteil an Abgeordneten, die auf das Anliegen der Petenten in irgendeiner Form eingegangen sind, vermag das landläufige Vorurteil über die 'abgehobenen Abgeordneten' nicht zu stützen.« Dies könne aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass knapp die Hälfte der angeschriebenen Parlamentarier, nämlich 47,7 Prozent, in keiner Weise auf das Anliegen reagierte. Den Antworten der bayerischen Parlamentarier entnahmen die Politologen im Vergleich zu den sächsischen Reaktionen »einen wesentlich höheren Professionalisierungsgrad« in Form von unverbindlichen oder auch unangreifbaren Antwortschreiben. (Steffen H. Elsner, Karin Algasinger, »Sehr geehrte Frau Abgeordnete, sehr geehrter Herr Abgeordneter«.
Der Bürger- und Wählerservice deutscher Abgeordneter zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Ergebnisse einer experimentiellen Fallstudie, München 2001 (Beiträge zum Parlamentarismus Bd.12, Bayerischer Landtag). Kostenlose Exemplare der Studie können bestellt werden über: Bayerischer Landtag, Landtagsamt, Maximilianeum, 81 627 München, Fax: (089) 41 26 - 17 67 oder unter der Email des Landtags: landtag@bayern.landtag.de
Volksbegehrens-Bericht 2001
Während der Trend zum Bürgerbegehren auf lokaler Ebene ungebrochen anhält, ist bei der landesweiten Direktdemokratie ein deutlicher Rückgang der Initiativen zu beobachten. Dies ist das Ergebnis des »Volksbegehrensberichts 2001«, den die bundesweite Initiative »Mehr Demokratie« im Januar in Berlin vorgestellt hat. Auf Landesebene gab es im vergangenen Jahr 18 laufende direkt- demokratische Verfahren. Das wichtigste Thema war dabei erneut »Demokratie und Bürgerrechte« mit acht Fällen. Es folgen »Erziehung/Bildung« (4), »Wirtschaft/Soziales/Umwelt« (3) und »Ethik/Moral« (3). Spitzenreiter war Brandenburg mit vier Initiativen. Tim Weber, Vorstandssprecher von Mehr Demokratie, erläutert diese Entwicklung: »Auf den Boom der 90er Jahre folgt die Ernüchterung. Die Bürger haben die neuen Instrumente mit Elan angenommen und mußten dann enttäuscht feststellen, daß sie oft gar nicht funktionieren. Man hat Ihnen ein modernes Auto versprochen, doch sie haben nur einen rostigen Tretroller bekommen.«
Der Volksbegehrens-Bericht 2001 steht im PDF-Format zum Download bereit unter: www.mehr-demokratie.de/bu/dd/vb-bericht2001.htm
Buchvorstellung: W. Dettling, Die Stadt und ihre Bürger
In einer Zeit, in der lokale Politik und Gesellschaft für die Menschen als scheinbar paradoxe Folge von Globalisierung immer wichtiger werden, entwickelt Warnfried Dettling eine interessante Vision kommunaler Sozialpolitik. Er macht deutlich, dass neue Balancen zwischen Arbeit und Leben, Familie und Beruf, Individuum und Gemeinschaft, Rechten und Pflichten, Eigenverantwortung und Solidarität gefunden werden müssen. Dettling plädiert für eine Sozialpolitik, in der nicht die Betreuung der sozial schwachen Menschen im Zentrum steht, sondern die Entwicklung und Förderung ihrer Stärken. Wie müssen soziale Einrichtungen und Hilfen aussehen, damit sie die Freiheiten und Fähigkeiten der Betroffenen aktivieren? Dettling versteht Sozialpolitik als Ausdruck und Folge einer aktiven Bürgergesellschaft, in der die Menschen nicht deren passive Objekte, sondern handelnde Subjekte sind. Viele Kommunen sind in diesem Sinne bereits aktiv. Interessante Beispiele zeigen auf, wie eine Sozialpolitik für junge und alte Menschen, Deutsche und Ausländer, für Familien sowie für mehr Beschäftigung aussehen kann; eine Sozialpolitik, die innovativ ist, ohne traditionelle Werte zu vernachlässigen.
Warnfried Dettling, Die Stadt und ihre Bürger. Neue Wege in der kommunalen Sozialpolitik – Grundlagen, Perspektiven, Beispiele, 1. Auflage 2001, 440 Seiten, ISBN 3-89204-588-7, 20.00 EUR.
Seminarankündigung: »Generationengerechtigkeit«
Das Seminar wird von der »Stiftung für die Rechte zukünftiger Generationen« in Zusammenarbeit mit der Evangelischen Akademie Tutzing durchgeführt (5.-7.Juli 2002 auf Schloss Tutzing). Aus dem Programmtext: »Ist es gerecht, – wenn zukünftige Generationen Treibhauseffekt, Ozonloch und Atommüll als Hinterlassenschaften früherer Generationen erben? – wenn zukünftige Generationen einen hoch verschuldeten Staat erben? – wenn zukünftige Generationen in der Rentenversicherung schlechter dastehen als wir heute? Und was sind dann die berechtigten Ansprüche der heute lebenden Generationen gegenüber den zukünftigen? Kurz: Was bedeutet »generationengerecht«? Die Tagung in der Evangelischen Akademie Tutzing will einen Beitrag dazu leisten.« Anmeldungsformulare können bei info@srzg.de angefordert werden
Weiterbildung »Kurs ZukunftsPiloten«
Zum dritten Mal schreibt der Deutsche Naturschutzring in Kooperation mit dem Institut für Umweltkommunikation der Universität Lüneburg das Weiterbildungsprogramm «Kurs ZukunftsPiloten» aus. Der Kurs richtet sich an Umweltengagierte zwischen 21 bis 27 Jahren. Ziel ist die Erweiterung der fachlichen, methodischen und sozialen Kompetenzen für erfolgreiches umweltpolitisches Engagement. Bestandteile des Kurses sind Wochenend-Seminare, Studienbriefe und Studienaufgaben und eine Praxisphase in einer Umweltorganisation. Die neuen Kurse des Kurs ZukunftsPiloten beginnen im Mai 2002. Bis zum 01.03.02 können sich Interessierte für den 18-monatigen Kurs (studien- und berufsbegleitend) bewerben. Informationen und Bewerbungsunterlagen können angefordert werden bei: DNR-Kurs ZukunftsPiloten, c/o Uni Lüneburg, Scharnhorststr. 1, Geb. 16, 21335 Lüneburg, Tel: 04131- 782789, E-Mail: info@zukunftspiloten.de, Web: www.zukunftspiloten.de
Seminar zur Kooperation sozialer Initiativen & Unternehmen
Thema des Seminares: Zehn Schritte zur Unternehmenskooperation. Wie soziale Initiativen und Organisationen Unternehmensunterstützung mobilisieren können, die über Spenden und Sponsoring hinausgeht. Erfahrungen und Praxisanleitung auf dem Hintergrund von 5 Jahren »Unternehmen: Partner der Jugend« (UPJ). Ort: Bildungs- und Begegnungsstätte im Wasserkuppenzentrum auf der Wasserkuppe, Rhön. Zeit: Beginn 13.3., 17 Uhr, Ende 14.3., 17 Uhr Kosten incl. Unterkunft und Verpflegung: 50 Euro Veranstalter: UPJ-Regionalbüro Hessen im Institut für Selbstorganisation und betriebliche Selbstverwaltung (ISO) Trainer: Dr. Diethelm Damm Nähere Informationen + Anmeldung: ISO-FFM@gmx.de
Fortbildungsreihe Freiwilligenqualifikation
Die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen e.V. (bagfa) bietet eine Fortbildung insbesondere für Mitarbeiter/innen von neu gegründeten Freiwilligenagenturen an. Eine Gruppe von Praktiker/innen aus bereits tätigen Freiwilligenagenturen hat ein spezielles Programm entwickelt, welches in kompakter Form grundlegende Kenntnisse für die Arbeit in diesen Anlaufstellen vermittelt. Die Qualifikation gliedert sich in sechs Themenbereiche, die in drei jeweils zweitägigen Blöcken angeboten werden. Ziel ist es, die wesentlichen relevanten Fragestellungen für die Freiwilligenagenturen zu behandeln. Dabei wird es ein Wechselspiel verschiedener Vermittlungsmethoden von Impulsreferaten, Gesprächsrunden und Werkstattphasen geben. Termine: 11.–12. März; 08.–09. April und 22.–23. April 2002 in Kitzingen / Unterfranken. Es steht nur eine begrenzte Anzahl an Plätzen für Teilnehmende zur Verfügung. Weitere Informationen gibt die Bundesgeschäftstelle der bagfa, Email: bagfa@snafu.de
Web Tipp: Politische Bildung und Lobby
Der Verein zur Förderung politischen Handelns (v.f.h.) – überparteilich und unabhängig – hat seine Sammlung politischer Webseiten unter www.vfh-online.de/verweise.html neu überarbeitet und um ein Vielfaches erweitert. Diese Seite ist nicht nur für Politprofis interessant. Die neu konzipierte Linksammlung soll helfen, sich im Informationsdschungel besser zurecht zu finden. Die Sammlung wird in sechs Rubriken präsentiert: Staat und Parteien, Schule und Studium, Themen und Organisationen, Werkstatt für politisches Engagement, Informationsquellen, Grundlagen und Theorie.




