Newsletter Nr. 22/2006 von www.wegweiser-buergergesellschaft.de
Inhalt
Volksbegehren zum Wahlrecht
Mit ihrer Initiative »Mehr Demokratie beim Wählen« erzielte »Mehr Demokratie e.V.« in Bremen und Bremerhaven einen großen Erfolg auf dem Weg zu mehr direktem Bürgereinfluss über das Wahlrecht. Mehr als 71.000 Unterschriften konnten für das Volksbegehren zur Einführung eines neuen Wahlrechts gesammelt und damit die relativ hohe Hürde von 10 % aller Wahlberechtigten genommen werden. Der Gesetzentwurf, der hinter dem Volksbegehren steht, räumt den Wählerinnen und Wählern mit insgesamt 5 Voten und den Möglichkeiten des Kumulierens und Panaschierens deutlich mehr Einfluss auf die Zusammensetzung der Bürgerschaft ein. Aus Sicht der Initiatoren wird sich damit auch die Transparenz politischer Entscheidungsprozesse verbessern und vor allem das Engagement der Bürgerinnen und Bürger verstärken. Die Entscheidung für ein neues Wahlrecht, das dann für die übernächste Bürgerschaftswahl im Jahr 2011 gelten könnte, wird zunächst in Senat und Bürgerschaft getroffen. Falls das Parlament dem Entwurf nicht zustimmt, kommt es im nächsten Jahr zum Volksentscheid.
Auch für Nordrhein-Westfalen startet »Mehr Demokratie e.V.« im Frühjahr 2007 eine gleichnamige Volksinitiative »Mehr Demokratie beim Wählen« zur Reform des Komunalwahlrechts.
mehr-demokratie.de/nrw-wahlrecht.html
»Bürger initiieren Nachhaltigkeit«
Im Rahmen einer zweiten Förderrunde der Bundesaktion »Bürger initiieren Nachhaltigkeit« (BIN) wurden am 11. Oktober 2006 erneut zehn vorbildliche Projekte lokaler Nachhaltigkeitsinitativen ausgezeichnet. Die Vorhaben, die in sehr vielfältigen Formen innovative Lösungen sozialer und ökologischer Probleme auf lokaler Ebene mit bürgerschaftlichem Engagement verbinden, erhalten eine einjährige finanzielle Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Die Bundesaktion wurde der Bundesregierung von dem Rat für Nachhaltigkeit zur Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie empfohlen, der Förderwettbewerb wird von dem Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) in Berlin betreut und jährlich neu organisiert.
Kampagne zum Atomausstieg
Die großen Naturschutz- und Umweltverbände in Deutschland haben sich zu der Kampagne »Atomausstieg selber machen« zusammengeschlossen, um die Bürgerinnen und Bürger zum Wechsel ihrer Stromlieferanten zu veranlassen. Sie reagieren damit auf die Versuche einzelner Stromproduzenten, politische Entscheidungen zur Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken zu erreichen. Die Empfehlung an die Verbraucher zu »Ökostromern« zu wechseln, soll auch auf diesem Wege den Ausstieg aus der nuklearen Energieerzeugung in Deutschland sicher stellen.
www.atomausstieg-selber-machen.de
Marktplatzmethode
»Marktplätze sind gut für das lokale Zusammenleben«. Mit dieser Idee werden seit einiger Zeit in verschiedenen Städten besondere »Marktplätze« veranstaltet, bei denen sich Unternehmen und gemeinnützige Organisationen begegnen und gemeinsame Projekte entwickeln können. Die Methode zur Förderung neuer Partnerschaften wurde entwickelt als Initiative der Bertelsmann Stiftung in Kooperation mit der KPMG.
Die Methode sowie die Termine und Orte weiterer Marktplätze sind nun in einem eigenen Internetauftritt zugänglich.
Unternehmensverantwortung
In Berlin hat sich Ende September 2006 ein neues Netzwerk für Unternehmensverantwortung gegründet. Unter dem Namen CorA - für Corporate Accountability - haben sich Menschrechtsorganisationen, Gewerkschaften, kirchliche und entwicklungspolitische Organisationen, sowie Verbraucher- und Umweltverbände zusammengeschlossen. Sie wollen gemeinsam Unternehmen für die Auswirkungen ihres Handelns auf Mensch und Umwelt zur Rechenschaft ziehen und sie zur Einhaltung der Menschenrechte sowie internationaler Sozial- und Umweltstandards verpflichten.
Nachdem der Rat für Nachhaltige Entwicklung im September diesen Jahres seine Empfehlungen für »Unternehmerische Verantwortung in einer globalisierten Welt – Ein deutsches Profil der Corporate Social Responsibility« vorgelegt hatte, präsentiert agenda service auf seinem Portal ein umfassende Sammlung der Diskussionen, Initiativen und Bestrebungen um den Stand der Nachhaltigkeit in Strategie und Praxis deutscher Unternehmen.
www.nachhaltigkeitsrat.de/service/download/publikationen/broschueren/Broschuere_CSR-Empfehlungen.pdf
Lebensunternehmer
Das Netzwerk Lebensunternehmer, ein Zusammenschluss von Bildungseinrichtungen, Unternehmen und Verbänden möchte ein innovatives Bildungsleitbild fördern, das an den Potentialen und Kernkompetenzen der Menschen ansetzt und sie anregt, eigenverantwortlich »ihr Leben unternehmen zu wollen«. Mit einer »Bodensee-Charta« hat das Netzwerk eine Grundlage aus Prinzipien geschaffen, die mit dem Leitbild des Lebensunternehmers mündige Bürgerinnen und Bürger in globaler Verantwortung aktivieren und unterstützen will. Im Rahmen einer Open Space Konferenz Anfang Oktober wurde eine Reihe konkreter Ideen der Kompetenzbildung der Lebensunternehmer präsentiert.
EU-Fundraising
Orientierung im EU-Förderdschungel bietet emcra - Europäische Fördermittel in Berlin. Neben professionellen Dienstleistungsangeboten im EU-Fundraising, einer systematischen, modularen Weiterbildung zum EU-Fundraiser etwa oder Kompaktseminaren bietet emcra auch regelmäßig (kostenfreie) EU-Fördertipps.
E-Mail: eu-foerdertipp@emcra.com
cfp zu Jugendpartizipation
Kinder und Jugendliche sollen an allen sie betreffenden Angelegenheiten beteiligt werden, fordert die UN-Kinderrechtskonvention und die Agenda 21 von Rio de Janeiro (1992). Die Umsetzung hat weitreichende Konsequenzen für Jugendarbeit, Kommunalpolitik, Bildungsarbeit, Schulen und das soziale Miteinander. Projekte, Forschungsergebnisse und Perspektiven einer kontinuierlichen Beteiligung von Jugendlichen sollen im März 2007 auf einer internationalen Tagung »Jugendliche gestalten ihre Lebenswelt mit - neue Verfahren der Beteiligung von Jugendlichen an der Gemeindeentwicklung« vorgestellt und diskutiert werden.
Dazu hat die Ökologische Akademie Linden, die die Tagung in Kooperation mit anderen Organisationen ausrichten wird, nun einen »call for papers« formuliert.
Publikationen
• Zivilgesellschaft und Wissenschaft
In zwei jüngeren Beiträgen thematisiert der P.M. Redakteur und Wissenschaftsjournalist Wolfgang C. Goede erneut die Bedeutung des bürgerschaftlichen Engagements und der Zivilgesellschaft bei der Schaffung sozial robusten Wissens.
Wolfgang C. Goede, Forscher und Bürger – eine Community, in: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, Vitaler Austausch, Bericht 05-06, S. 22-24;
www.stifterverband.de/pdf/bericht_05_06.pdf
www.pm-magazin.de/de/nurinternet/artikel_id357.htm
Wolfgang C. Goede, Keine Innovation ohne Repräsentation: Die Zivilgesellschaft als neuer Akteur in der Wissenschaft, in: Wolf-Andreas Liebert, Marc-Denis Weitze (Hg.): Kontroversen als Schlüssel zur Wissenschaft, Bielefeld 2006, S. 165 -179
www.pm-magazin.de/media/1/1144/2499/2715/17023.pdf
www.pm-magazin.de/de/nurinternet/artikel_id416.htm
• Prävention Schulmüdigkeit und Schulverweigerung
Beispiele guter Praxis, d.h. von Methoden und Strategien, Schulmüdigkeit und Schulverweigerung zu begegnen, präsentiert ein Reader des Netzwerks Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung aus der Arbeit, der in ihm versammelten Projekte.
Elke Schreiber (Hrsg.), Chancen für Schulmüde, Reader zur Abschlusstagung des Netzwerkes Prävention von Schulmüdigkeit und Schulverweigerung am Deutschen Jugendinstitut e. V, DJI, München, Halle 2006, 206 S.
Übersicht, Bestellung online und download
www.dji.de/cgi-bin/projekte/bchlst1.php
www.dji.de/bibs/229_6264_Reader_Chancen_fuer_Schulmuede.pdf
Veranstaltungshinweise
Zahlreiche Veranstaltungen sind im Veranstaltungskalender des Wegweisers Bürgergesellschaft zu finden.
www.buergergesellschaft.de/veranstaltungen
Besonders hinweisen möchten wir dieses Mal auf:
• 13. - 17.11.2006 in Bayreuth: Nachhaltigkeit als grundlegendes Prinzip für Wirtschaft und Gesellschaft. Seminar der Franken Akademie
vera.evlka.de/user/mitarbeit/meinesuche_detail.php3
• 18. - 19.11.2006 in Bad Boll: Kinderrechte in Kindergarten und Schule (und Jugendhilfe). Tagung der Evangelischen Akademie Bad Boll
vera.evlka.de/user/mitarbeit/meinesuche_detail.php3




